Folk, Jazz, Chanson und Rock:

Kulturzelt an der Fulda im Kasseler Jubiläumsjahr: Das Programm (bis 25.8.)

Kassel. Zum Auftakt und Finale setzt man auf Bewährtes, dazwischen gibt es im 27. Kulturzelt-Programm viel zu entdecken. Erstmals kommen die Tindersticks nach Kassel, der Wahnsinns-Entertainer Chilly Gonzalez ist dabei und das Aushängeschild der alternativen deutschen Musikszene, The Notwist.

12. Juli bis 25. August an der Drahtbrücke
(Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr)

Die Kulturzelt-Jukebox

Die HNA-Redakteure Willie Ditzel und Matthias Lohr haben ihre Lieblingstitel der im Kulturzelt auftretenden Künstler zusammen getragen. Hier ist zur Einstimmung und zum "Vorhören" ihre 

Das Programm im Juli:

Freitag, 12. Juli und Samstag, 13. Juli: 

Urban Mash Up Allstars (Eintritt: 24/26 Euro)

 Die Kulturzelt-Eröffnung folgt dem im vergangenen Jahr bestens angekommenen System. Man nehme eine Band, zusammengestellt aus gefragten R’n’B-Musikern, als da wären: die Johnny Blazers, Bläserfraktion von Jan Delay, Haze Bassgitarrist von Joy Denalane und Curse, Ferdinand Kirner Gitarrist von Mic Donet und Max Herre, Toni Farris, Keyboarder von Samy Deluxe, Afrob und Das Bo, und Matteo Scrimali, Drummer von Max Herre. 

Diese Musiker begleiten in einem Programm ohne Pause unter anderem Reggae-Singer/Songwriter Matteo Capreoli und die Soul-Crooner Fetsum und Flo Mega. Im weiteren Verlauf des Abends gesellen sich noch Irma und Miriam Bryant hinzu. Mehr ein Familienprogramm als ein heißes Soul-Konzert. 

Videoclip: Miriam Bryant

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Fotostrecke: Alle Künstler und Termine

Die Kulturzeltkünstler 2013 im Überblick

Sonntag, 14. Juli: 

Selig (Eintritt: 26/28 Euro)

 Selten waren sich Kritiker so einig: „Magma“, das aktuelle Album von Selig, ist die –zumindest musikalisch gesehen – bislang bedeutendste Aufnahme dieses Quintetts, das für die deutsche Musikszene in den neunziger Jahren zunächst die Antwort auf Seattle war, auf Grunge-Rock, Nirvana und Pearl Jam. Selig waren aber, was ihre Texte betraf, auch die Erben der (Ton, Steine) Scherben. Über mehrere Festival-Sommer hinweg spielten sie sich in die Herzen der Rockfans – Selig gehörten zum Musiksommer in Deutschland einfach dazu. 

Das Gute ist: Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Den Sound der Band prägt immer noch Gitarrist Ali Neander und die Texte von Sänger Jan Plewka könnten nach wie vor auch aus der Feder von Rio Reiser stammen. Die Sensation, die Selig mit „Magma“ geschafft haben, ist eine andere: Sie sind heute keine Relikte aus einer anderen Rock-Welt mehr, sondern eine durch und durch zeitgenössische (psychedelische) Band geworden – vielleicht sogar die beste unter den ganz Großen. 

Man kann halt auch massenkompatibel sein, ohne seine Wurzeln zu verraten.

Video: Selig "Alles auf einmal"

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Montag, 15. Juli:

Anna Depenbusch (Eintritt: 22/24 Euro)

Ja, die Anna... Im Juli 2011 im Kulturzelt (28.), im August 2012 beim Sommer im Park in Vellmar (18.) und jetzt wieder im Kulturzelt. 

Das ist gut so, denn einen Sommer ohne Anna Depenbusch mag man sich gar nicht vorstellen. Erst recht nicht nach ihrem im Oktober 2012 erschienenen Album „Sommer aus Papier“, das uns den Sommer bis Weihnachten und darüber hinaus verlängerte. Selbst in den melancholischsten Liedern lässt „die Depenbusch“ Heiterkeit und Optimismus mitschwingen und hellt die graue Wirklichkeit auf. "Erst durch schwarz, dann durch grau, nach 1000 Metern langsam durch blau und du siehst, es schimmert türkis. Komm schwimm weiter, halt nicht an, weg vom Meeresboden, irgendwo ist oben..." singt sie in „Irgendwo ist oben“. Zeilen, wie diese beschreiben treffend die Fröhlichkeit, den Witz, die Ironie und die Freude an der Sprache – all das, was Anna Depenbusch, Singer- und Songwriterin der Feinfühligen, auszeichnet. 

Das trägt auch durch andere Jahreszeiten.

Video: Anna Depenbusch "Tim liebt Tina" (ab 16)

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Mittwoch, 17. Juli:

Youn Sun Nah & Ulf Wakenius (Eintritt: 20/22 Euro) 

Pressekritiken wie „Youn Sun Nah und Ulf Wakenius muss man einfach live gesehen haben, um die Schönheit ihrer Musik begreifen zu können“ oder „Man kann nur jedem, der die Möglichkeit hat, mit bestem Wissen und Gewissen anraten ein Konzert der Beiden zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen, warum sie von der französischen Presse schon lange als zwei der bemerkenswertesten Künstler unserer Zeit gefeiert werden“, sollten auch Diejenigen aufhorchen lassen, die mit dem Gesang der koreanischen Jazzsängerin und dem Spiel des schwedischen Gitarristen noch nicht vertraut sind. 

Youn Sun Nah, Tochter eines Dirigenten und einer Opernsängerin, debütierte im Alter von 23 Jahren in einem Konzert mit dem koreanischen Symphonieorchester. Zunächst schlug ihr Herz für Musicals, doch 1995 entschloss sie sich für ein Studium an der École de Jazz et de Musiques actuelles in Paris. Während dieser Zeit trat sie in Pariser Clubs mit den Musikern der französischen Jazz-Szene auf. Seit 2001 erschienen regelmäßig Alben von ihr, die fast ebenso regelmäßig mit Preisen bedacht wurden. Ein Echo, „Beste internationale Sängerin 2011“, ist ebenfalls darunter.


Auch Ulf Wakenius wurde nicht mit Jazz-, sondern mit Blues- und Rockmusik groß. Das änderte sich, als er zum ersten Mal John McLaughlin hörte. Heute kann er auf Kollaborationen mit Steve Coleman, Randy Brecker, Herbie Hancock, Roy Hargrove, Par Metheny und weiteren Jazz-Größen zurück blicken. 

Auf Youn Sun Nah traf er erstmals bei einem Jazz-Festival in Dänemark. Die gegenseitig Inspiration soll so überwältigend gewesen sein, dass Beide beschlossen, künftig zusammen zu arbeiten. 

Video: Youn Sun Nah "Enter Sandman" (Metallica cover)

Video: Ulf Wakenius & Pat Metheny

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Donnerstag, 18. Juli: 

Manu Dibango (Eintritt: 24/26 Euro) 

Es gibt Stücke, die stehen nach ihrem kommerziellen Erfolg mehr oder weniger für die Ewigkeit für einen Musikstil, für ein Land und für ein Lebensgefühl. Miriam Makebas „Pata Pata“ ist so eine Komposition, Astrud Gilbertos „Girl from Ipanema“, aber auch „Soul Makossa“ von Manu Dibango. Der Saxofonist aus Kamerun schrieb damit nicht nur einen Welthit sondern bescherte seinen Landsleuten überall in der Welt damit auch ein Stück afrikanische Identität.

 „M-Ma-Se, M-Ma-Sa, Ma-Mako-Ssa“ – Wer kennt sie nicht, diese Zeile, mit der auch 1972 die erste Disko-Welle in den USA und Europa einherging. Ungefragt übernommen wurde die Zeile auch von Michael Jackson (Wanna be startin’ somethin’) und Rihanna (Don’t stop the music). Gegen beide ist eine Copyright-Klage anhängig. Lediglich Wyclef Jean bekam für sein Album „The Carnival“ von Manu Dibango die Erlaubnis, „Soul Makossa“ zu interpretieren. Solch strikte Wahrung der Rechte, einhergehend mit Einnahmen durch die Tantiemen hat ihren Grund: Manu Dibango unterstützt mit den Einnahmen Schulen in seinem Heimatland Kamerun und fördert den Kulturaustausch zwischen Afrika und Europa. Dafür wurde er 2004 auch von der UNESCO geehrt.


Kurios ist, dass der Musiker, den alle nur den „Makasso Mann“ nennen, in seiner Heimat als Held der Twist-Musik gefeiert wird, wenn nicht gar als deren Erfinder. Als er 1962 nach Beendigung seines Musikstudiums in Frankreich wieder nach Afrika zurückkehrte, spielte er in Konzerten die US-Musik, die er in Europa kennen gelernt hatte, und die dort ebenso unbekannt war wie hierzulande der Makossa-Style – jene Verbindung von Jazz und der traditionellen Musik Kameruns, als deren Botschafter er bis heute durch die Welt reist.

Video: Manu Dibango "Soul Makossa" (New Version)

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Freitag, 19. Juli: 

Tindersticks (Eintritt: 22/24 Euro) 

Die Tindersticks sind, und in diesem Fall darf man das Wort ruhig gebrauchen, eine legendäre, 1991 in Nottingham gegründete, britische Band, die im ersten Jahrzehnt ihrer Karriere eine Reihe majestätischer, alternativer Gitarren-Pop-Alben veröffentlichten. 2003 ging diese erste Phase ihrer Karriere zu Ende. Es folgte ein fünfjähriger „Winterschlaf“, aus dem die Band, die stets in Anzügen auftritt, mit dem Album „The hungry saw“ zurück kehrte. 

Geändert hatten sich die Besetzung – es waren nur noch drei Mitglieder der Original-Besetzung dabei – und der Musikstil: Statt Gitarren-Pop spielten die Tindersticks nun Kammer-Pop, begleitet von Streichern und Blasinstrumenten. 
Das Echo in den Medien war ausnahmslos positiv, auch bezüglich der Konzerte, denn bei aller Freude an den Soundtüfteleien und der Arbeit im Studio sehen sich die Tindersticks in erster Linie als eine vitale Live-Band. 2010 folgte mit „Falling down a mountain“ das zweite, 2012 mit „The something rain“ das dritte Album nach der Wiedervereinigung. Auf diesem, bis dato letzten Album der Gruppe, erklingt ihre Musik in einer nie zuvor gekannten Leichtigkeit. 

Konzerte der Tindersticks sind sehr intensive Erlebnisse auf beiden Seiten. Für die Band auf der Bühne, die sich weit in ihre Musik vertieft, und für den Hörer, der sich schon nach wenigen Minuten wünscht, dieses Konzert möge niemals aufhören.

Video: Tindersticks "Dying slowly"

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Samstag, 20 Juli: 

Quadro Nuevo (Eintritt: 22/24 Euro)  

 Quadro Nuevo touren seit 17 Jahren durch die Welt. Vom beschaulichen Oberbayern über die Alpen bis Porto, von Dänemark über den Balkan bis zur Ukraine quer durch Europa und weiter nach Sidney, Montreal, Ottawa, Kuala Lumpur, Istanbul, New York, New Orleans, Mexiko City, Seoul, Singapur, Tunis, Tel Aviv. Die Auftrittsorte sind so verschieden wie die Wurzeln ihrer Musik. Denn Quadro Nuevo sind nicht nur in Konzertsälen und auf Festivals zu Gast, sie treten auch mal als Straßenmusiker auf oder spielen in Jazz-Clubs. 

Das Ensemble hat auf diesen Reisen eine ganz eigene Musikform entwickelt, die vom Jazz ebenso geprägt ist wie „von der europäischen Spielform des Tango, der leidenschaftlichen Liebe zu ihren Instrumenten und einer Spielfreude, die jeden ansteckt, der sich offenen Herzens in eines ihrer Konzerte begibt. „End of the rainbow“ heißt ihr aktuelles Album und der Titel sagt schon, wozu sie das Kulturzelt-Publikum diesmal einladen: Zu einem gemeinsamen Ritt auf dem Fliegenden Teppich zum sagenumwobenen Ende des Regenbogens.

Video: Quadro Nuevo "Sultana"

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Mittwoch, 24. Juli: 

Avishai Cohen Quartet (Eintritt: 22/24 Euro) 

Der Bassist, Bandleader und Komponist Avishai Cohen, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen israelischen Trompeter, ist erst 43 Jahre alt und kann trotzdem schon auf einen musikalischen Lebenslauf zurückblicken, von dem andere, weitaus ältere und berühmtere Musiker nur träumen können. 

Inspiriert vom Basss-Spiel von Jaco Pastorius zog er im Alter von 22 Jahren nach New York, wo man sein Talent sofort erkannte. Als musikalisches Wunderkind gefeiert, spielte er unter anderem mit Wynton Marsalis, Roy Hargrove und Joshua Redman, bevor ihm Chick Corea in seiner Origin-Band für sechs Jahre eine längere Bleibe gab. Danach folgten Kollaborationen mit unter anderem Herbie Hancock, Bobby McFerrin und Alicia Keys, bevor Cohen wieder nach Israel zurück ging, wo er das Avishai Cohen Trio gründete und jene Fusion osteuropäischer, arabischer, israelischer und Modern Jazz-Musik entwickelte, für die er heute, mittlerweile im Quartett (Bass, Saxofon, Gitarre, Schlagzeug) spielend, weltberühmt ist. 

Video: Avishai Cohen "Come together" (Beatles cover)

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Donnerstag, 25. Juli:  

Chilly Gonzales (Eintritt: 26/28 Euro) 

Wie soll man den brillanten Pianisten und Entertainer Chilly Gonzales, der eigentlich Charles Beck heißt und der Bruder des Filmmusik-Komponisten Christophe Beck (American Pie, Hangover, Stichtag, Pitch Perfect) ist, näher beschreiben? Wie nähert man sich diesem Phänomen, das munter zwischen allen Stilen von Klassik über Jazz bis HipHop hin und her pendelt, bei einem Konzert zu Ehren des legendären Bach-Interpreten Glenn Gould ebenso auftritt, wie mit Musikern wie Feist oder Jamie Lidell?

„Happy Birthday“ in Moll gespielt? Für Chilly Gonzalez ebenso wenig ein Problem wie ein klassisches Klavierkonzert nur unter Gebrauch der weißen Tasten. Selbstbewusst bezeichnet er sich als „musikalisches Genie“. Und das ist noch nicht mal übertrieben. 

Denn die Menschen auf einem hohen Niveau gut zu unterhalten ist eine hohe Kunst, die nur wenigen internationalen Entertainern gelingt. Sie ist doppelt schwierig, wenn man weiß, dass das Publikum genau das von einem erwartet. Gonzales entwickelt aus genau diesen Erwartungen seine Show, die nur einem Gebot folgt: Entertainment ist Krieg! Und keiner erklärt wie er in diesem Krieg den Unterschied zwischen Dur und Moll, oder warum eine Komposition in Europa europäischer und in den USA amerikanischer klingt.

Video: Chilly Gonzales (Duett/Duell mit Helge Schneider)

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Freitag, 26. Juli:

The Notwist (Eintritt: 24/26 Euro)

The Notwist sind der Inbegriff einer deutschen Indie-Band schlechthin. Vor 24 Jahren als Punkband in Weilheim/Oberbayern von den Brüdern Markus (Gesang/Gitarre) und Micha Achter gegründet, seit ihrem ersten, schlicht "Notwist" betitelten Album von den Kritikern und Fans geliebt, aber niemals diesen entscheidenden Hebel für mehr Glamour umgelegt, um kommerziell so richtig erfolgreich und in allen Medien vertreten zu sein. 

Stattdessen haben die Musiker in verschiedenen Konstellationen weitere Nebenprojekte wie das Tied & Tickled Trio, Lali Puna, Ms. John Soda, Die Bolzplatz Heroes und Schweisser gegründet und sind weiterhin durch die kleinen Indie Clubs gezogen. Doch die Beharrlichkeit zahlt sich aus. The Notwist sind eine der wenigen deutschen Bands, die auch im Ausland die (kleineren) Hallen füllen, eben weil sie glaubhaft sind. Da ist nichts Attitüde, da geht es nicht darum, welches Shirt Martin Gretschmann (Electronics) oder welche Schuhe Gitarrist Max Punktzahl trägt. Es geht einzig und allein um die Musik. 

Dass es gelungen ist, The Notwist für ein Konzert im Kulturzelt zu engagieren, grenzt da schon an ein kleines Wunder.

Video: The Notwist "Chemicals"

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Samstag, 27. Juli:

Jane Birkin (Eintritt: 34/36 Euro)

Bereits im vergangenen Jahr für einen Abend im Kulturzelt angekündigt, wurde sie kurz vorher krank, versprach aber, das Versäumte nachzuholen. Inzwischen ist Jane Birkin wieder gesund, hat auch schon wieder Konzerte gegeben und will am letzten Juli-Samstag ihr Versprechen einlösen.

Zwei Ereignisse machten die in England geborene und seit vielen Jahren in Frankreich lebende Charmeuse zu einer Ikone der wilden 70er-Jahre: Ihr Nacktauftritt in Michelangelo Antonionis Film "Blow up" und das Duett "Je t'aime moi non plus" mit Serge Gainsbourg. 

Natürlich täte man Jane Birkin Unrecht, sie allein auf diese beiden Momente ihres Künstlerlebens zu reduzieren, Sie hat weitaus bessere Rollen in Filmen wie "Der Swimmingpool", "Das wilde Schaf" oder "Das Böse unter der Sonne" gespielt. Und sie hat großartigere Lieder und Chansons eingespielt, als jenes Erotik-Lied, in dem sie ja mehr gesprochen als gesungen hat. Und um diese Musik geht es bei ihrem Auftritt im Kulturzelt. Denn der verstorbene Serge Gainsbourg, einer ihrer "Hauskomponisten" war nicht nur ein Provokateur sondern auch ein begnadeter Songschreiber - in Frankreich bis heute geliebt und verehrt. 

Ein wirklich großer Chanson-Abend, der in Paris auch das Olympia mühelos füllen würde, erwartet die Kulturzelt-Besucher am 27. Juli.

Video: Jane Birkin & Serge Gainsbourg (Szenen)

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Sonntag, 28. Juli:

Wallis Bird (Eintritt: 20/22 Euro)

Denkt man an Irish Folk, so fallen einem sofort Namen wie  The Dubliners, Clannad, Moya Brennan, Anne Wylie oder Planxty ein. Überlegt man dann, wann man zum letzten Mal von diesen Künstlern etwas Neues gehört hat, so fällt auf, dass die Aushängeschilder von einst inzwischen in die Jahre gekommen sind, beziehungsweise sich aufgelöst haben. 

Wallis Bird ist, obwohl auch schon fast ein Jahrzehnt unterwegs, eines der neuen Gesichter der irischen Musik - mit nicht ganz so Whiskey-seligen Songs im Programm wie ihre Vorfahren, aber "folky" und mit Rock- und Jazz- Anleihen. Der ganz besondere Klang ihrer Stücke hat seine Ursache in einem Unfall, bei dem ihr alle Finger der linken Hand abgetrennt wurden und nur vier wieder angenäht werden konnten. Deshalb - Gitarrenfreunde aufgepasst - spielt sie seither eine Rechtshändergitarre seitenverkehrt, aber ohne die Saiten vorher umzuspannen. In die Musikszene ist die sympathische Musikerin aus dem County Meath (aus dem auch Pierce Brosnan stammt) nicht nur, wie das in Irland Tradition ist, über ihre Eltern. Wallis Bird hat auch Musik studiert: an der Universität in Dublin und an der Popakademie in Mannheim. 

Ihr Kulturzelt-Konzert dürfte schnell ausverkauft sein, denn im vergangenen Jahr bekamen viele Irish-Folk-Fans aus Kassel und der Region keine Karten mehr für ihr lange im voraus ausverkauftes Konzert im Kulturzentrum Schlachthof.

Video: Wallis Bird "An idea about Mary"

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Mittwoch, 31. Juli:

Acoustic Africa (Eintritt: 22/24 Euro)

Musik von der Elfenbeinküste mit drei Künstlerinnen, von denen jede einzelne in ihrem Heimatland ein Star ist:

Manou Gallo, Percussionistin und Sängerin des Trios, ist weit über den afrikanischen Kontinent hinaus bekannt. Sie war ein festes Ensemblemitglied bei Zap Mama (und deshalb auch schon mal zu Gast im Kulturzelt), sang mit den international gefragten Les Tambours de Brazza und bei den Dissidenten.

Kareyce Fotso gilt zur Zeit als die neue große Stimme Afrikas und könnte mal das Erbe von Miriam Makeba antreten. Im Trio sorgt sie für die etwas rauchig gefärbteren Blues-Töne.

Dobet Gnahore, die Dritte im Bunde, kann nicht nur singen sondern auch tanzen.- das Ergebnis jahrelanger Theater- und Choreographie-Arbeit.

Die vereinten Talente dieser drei Frauen mit ihren spezifischen Stimmen und ihrer starken Bühnenpräsenz versprechen ein weltmusikalisches Ereignis.

Video: Acoustic Africa live in Bamako/Mali

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Donnerstag, 1. August:

Tina Dico (Eintritt: 24/26 Euro)

Dänen lügen nicht: Skandinavische Pop-Musik ist seit einigen Jahren in Europa schwer angesagt. Schweden und Dänemark gewannen zuletzt den Eurovision Song Contest, seit zwei Jahren vergeht kein Tag, an dem man nicht wenigstens einmal Likke Li’s „I follow rivers“ irgendwo hört, und dann war da noch der phänomenale Auftritt von Miss Li im Kulturzelt 2012 (und ihr anschließender DJ-Set im Hugenottenhaus).

 Das schöne an dem Erfolg des Skan-Pop ist, dass er auf keinen ausgeklügelten Marketing-Strategien beruht, sondern auf den Stimmen, der Ausstrahlung und der erfrischenden Art der Interpreten. Nun öffnen wir unsere Ohren und unsere Herzen der 35-jährigen Dänin Tina Dico, die, wie viele andere auch, Geschichten über das Leben schreibt und singt, aber das so einfühlsam, dass sie nach wenigen Minuten auch die Zuhörer in der letzten Reihe berührt. 

Das, was man sich eigentlich von jedem Konzert wünscht, nämlich dass es einen für 90 Minuten aus dem Alltag entführt und das Leben mit etwas Wärme und ganz besonderen Augenblicken füllt, wird bei ihr Wirklichkeit.

Kaum zu glauben, dass die Person, die diese Wirkung auf ihre Zuhörer hat, mittlerweile in Island lebt.

Video: Tina Doco: "No Time To Sleep"
(Helgi ist ihr Lebensgefährte)

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Freitag, 2. August:

Lee Fields & the Expressions (Eintritt: 22/24 Euro)

Es gibt nicht mehr allzu viele Soulstars, deren erste Single 1969 erschien und die heute größere Erfolge feiern als je zuvor in ihrer 44-jährigen Bühnenlaufbahn. 

„Ladies and Gentlemen, let’s give a big round of applause to the hardest working man in Soul-Business today: Mr. Lee Fields“, so muss der Mann aus North Carolina, den man auf Grund seiner Ausstrahlung und seiner Stimme auch „Little JB“, den „kleinen James Brown“ nennt, angekündigt werden. Denn Lee Fields steht immer noch für den klassischen Soul der alten (Otis Redding – James Brown – Wilson Pickett -)Schule. Die war in den 80-er Jahren, als HipHop und House die Szene bestimmten, zwar nicht ganz so gefragt, doch was gut war und ist überlebte diese „Trockenperiode“.

Und es war in der Tat ein House-DJ, der französische Produzent Martin Solveig, der Lee Fields zu Beginn des neuen Jahrtausends ins Studio bat, ihm mit den Expressions eine Band zur Seite, die den Soul-Sound, mit dem Lee Fields groß geworden war, perfektionierte. Heraus kamen „Problems“ (2002), „My World“ (2009) und „Faithful Man“, drei Alben, die von der Adele – Amy Winehouse-Generation zunächst als Retro-Soul eingestuft wurden... bis sie Lee Fields live erlebten.

Deshalb unbedingt hingehen, denn wie eingangs bereits erwähnt: Es gibt nicht mehr allzu viele Soulstars, die...

Video: Lee Fields: "Faithful Man"

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Samstag, 3. August:

Schmidt  (20/22 Euro)

Manchmal, aber nur manchmal… gibt es eine deutsche Karriere, die im Ausland beginnt. 

So im Falle der Berliner Sängerin SCHMIDT, die von Guy Chambers (Hit-Liferant für Robbie Williams, James Blunt, Kylie Minogue, Katie Melua uvm.) entdeckt wurde. Mit ihrer rauchigen Stimme und ihren, vom Kabarett und Jazz der 1920-er Jahre beeinflussten Songs war man in England bereits 2012 vertraut. 

Ihr Durchbruch in Deutschland begann am ersten Tag dieses Jahres. Da sang sie im Neujahrs-Tatort „Scheinwelten“ den Song „Heart Shaped Gun“ und die interessierten Hörer waren überrascht, als sie erfuhren, dass es sich bei der Interpretin um eine erst 21-jährige Sängerin handelt. 

Nun arbeitet einer wie Guy Chambers nicht mit Jedem/r. Und meistens schreibt er ein-zwei Songs pro Album für seine Künstler. Mit/für SCHMIDT komponierte und produzierte er das komplette Debut-Album. Da darf schon die Frage gestellt werden, ob SCHMIDT nun ein reines Kunstprodukt ist oder ihre Musik in Live-Konzerten auch „lebt“? Sie tut es zumindest für Elton John, der SCHMIDT ins Vorprogramm seiner jüngsten Australien-Tournee geladen hatte. 

Ihre Band soll großartig sein, sagen die, die schon einmal ein Schmidt-Konzert gesehen haben, sie selbst ein bisschen zu viel gewollte „Show“. Lassen wir uns überraschen, ob sie inzwischen eine Chanteuse geworden ist und das Image des singenden Nachtschattengewächses abgestreift hat.

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Mittwoch, 7. August:

Das Brandt-Brauer-Frick-Ensemble (22/24 Euro)

Nicht wenige Musikliebhaber vergleichen das Ensemble mit Kraftwerk. Der Vergleich bezieht sich allerdings nicht auf die Musik, sondern auf den Innovationsschub, der von Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick auf eine neue Szene wirkt. Wie Kraftwerk 1970 auf der Basis von „Vordenkern“ wie Karlheinz Stockhausen oder Pierre Henry eine neue (elektronische) Musik schufen, die in der Folge hunderte wenn nicht gar tausende von Bands beeinflussen sollte, so schaffen diese Musiker, die sich bei einer improvisierten Jam-Session in Wiesbaden kennen lernten, aus Klassik und Techno eine „Neue Musik“, die auch Menschen gefällt, die weder Klassik noch Techno mögen. 

Wenn bei Brandt Brauer Frick und ihrem Ensemble Harfe, Schlagzeug, Synthesizer, Klavier, Cello, Geige und Posaune einen treibenden Rhythmus aufbauen, diesen plötzlich abbrechen und nur noch eine Kakophonie von anscheinend ziellos herumstreunenden Tönen zu hören ist, und sich dann alle Instrumente wieder langsam und bedächtig zurück in den Ausgangsrhythmus spielen, dann entwickelt die Musik eine Magie, der man sich weder auf dem Dance Floor noch im Konzertsaal und auch nicht beim Hören zuhause entziehen kann. 

Doch am besten sind BBF live – eine absolute Ausnahme im Kulturzelt-Programm und in der internationalen Musikszene.

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Donnerstag, 8. August:

Iyeoka (20/22 Euro)

Iyeoka Okoawos Eltern stammten aus der Edo-Provinz östlich von Lagos, einer Region, die seit jeher bedeutende Einflüsse auf die nigerianische Kultur ausübte. 

Sie selbst wuchs, beeinflusst von der amerikanischen Kultur als Einwandererkind in Boston/Massachusetts auf. Nach College und Studium arbeitete sie as hochbezahlte Pharmazeutin am Boston Medical Center, bevor sie vor zehn Jahren den Entschluss fasste, diesen Job zu Gunsten ihrer Musik aufzugeben, die sie zuvor mit wechselnden Bands nur nach Feierabend in Bars und Clubs präsentieren konnte. Ein weise Entscheidung, denn mit ihrer Neon-HipHop-Soul-Funk-Mixtur heilt sie garantiert mehr menschliche Seelen als als Pharmazeutin. 

„Es klingt, als habe man Sade weitergedacht“, hat mal ei Rezensent über ihre Musik geschrieben, da in unserer Zeit ja immer Vergleiche gesucht werden. Zumindest trifft es diese Kategorisierung noch am ehesten. Aber Iyeoka ist viel mehr, denn sie vereint wie andere afro-amerikanische Sängerinnen vor ihr (Angélique Kidjo, Eartha Kitt, Nina Simone) musikalische Essenzen zweier Welten und schafft daraus einen ganz eigenen Sound. 

Die Produzenten des nächsten Bond-Films täten gut daran, mal genauer hinzuhören...

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Freitag, 9. August:

Jan Josef Liefers & Oblivion (26/28 Euro)

Die ersten Auftritte mit dem „gemischten Programm“ haben Prof. Karl-Friedrich Boere alias Jan Josef Liefers und seine Oblivion-Kollegen Johann Weiß, Christian Adameit, Timon Fenner, Jens Nickel und Gunter Papperitz bereits hinter sich. Folgt man den Berichten im Internet, war die Band überwältigt, wie gut die Eigenkompositionen beim Publikum nicht nur ankamen sondern von den Fans regelrecht gefeiert wurden. 

Ein „gemischtes Programm“, das heißt: In diesem Sommer sind Jan Josef Liefers und Oblivion auf Tournee mit einerseits den beliebten Favoriten der „Soundtrack meiner Kindheit“-Konzerte und Eigenkompositionen, die sie vor der endgültigen Studio- und Album-Reife live ausprobieren. „Radio Doria – Die Freie Stimme der Schlaflosigkeit“ soll, so besagen es die Gerüchte, das nächste Album heißen. Rockig, mit Brit-Pop- und Stadion-Rock-Anleihen, soll es werden. 

Was wirklich an all den Vorhersagen dran ist, werden wir beim ersten Konzert nach der zweimonatigen Sommerpause von Liefers & Co. erfahren.

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Samstag, 10. August:

Johannes Oerding (24/26 Euro)

Im letzten Jahr konnte er einem schon ein wenig leid tun. Da wurde Johannes Oerding nämlich allzu oft als „der junge Geliebte von Ina Müller“ durch die Talk Shows gereicht. Dabei war er schon eine große Nummer bevor diese ältere-Frau-liebt-jungen-Mann-Liaison begann. 

Seinen herausragenden Status in der deutschen Singer/Songwriter-Landschaft hat er mit der Ehrlichkeit erreicht, die seine Songs auszeichnet. Denn die sind fast ausnahmslos autobiografisch – egal ob nach einer Nacht im Spielcasino, in der er viel gewonnen und dann doch mehr verloren hat, geschrieben („Nichts geht mehr“), nachdem er mal mit der Tocter seies Chefs intim geworden war, was zu einer vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses führte („Traurig aber wahr“) oder in einem Moment der Selbstreflexion („Mein schönster Fehler“). 

Allein für diese Ballade schon muss man ihn feiern, denn sie gibt den Mut, Fehler, die einfach zu schön sind, immer mal wieder zu begehen. 

Live aus Hamburg St. Pauli: Johannes Oerding

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Sonntag, 11. August:

Glen Hansard & Band (26/28 Euro)

Glen Hansard ist ein Mann mit Geschichte und Geschichten. 

Die eine ist die Geschichte seiner Karriere, denn er ist den meisten von uns schon im Kino, im Fernsehen und beim Radio hören begegnet. Und trotzdem werden viele sagen: Glen Hansard – nie gehört. Aber fast alle kennen die Commitments und ihre tolle Soul-Show, einige kennen auch die irische Alternative-Band The Frames (Say it to me now, Falling Slowly) und das Duo The Swell Season und jeder kennt diesen bezaubernden Liebesfilm „Once“, der in der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends die Herzen rührte und als einer der besten Liebesfilme der letzten Dekade gilt. Alle drei Projekte sind untrennbar mit Glen Hansard verbunden. 

 In „Once“ spielt Glen Hansard jenen eigenbrötlerischen Straßenmusiker, der Dank einer Begegnung mit einer tschechischen Pianistin (Markéta Irglová) neue Perspektiven für sein Leben erfährt. Wer hat nicht die ein oder andere Träne im Auge gehabt, als die Beiden sich am Ende doch für getrennte Wege entschieden haben? Dafür waren sie zumindest im richtigen Leben längere Zeit ein Paar. Für die Musik zu „Once“ bekam Glen Hansard sogar im Jahre 2007 einen Oscar, für den er sich schlicht mit der Aufforderung „Make Art!“ bedankte. 

Dieser Glen Hansard kommt nun zum ersten Mal ins Kulturzelt, um hier, zur Gitarre und von einer Band begleitet, seine Geschichten zu erzählen. Die handeln häufig von gebrochenen Herzen, aber in einer Ehrlichkeit, die Leidensgenossen trösten kann. Sie handeln aber auch davon, wie es ist, nach Jahren durchschnittlicher Erfolge plötzlich im Rampenlicht zu stehen und wie zwischenmenschliche Beziehungen dabei draufgehen. Und dies zu Melodien, die lange im Kopf (und im Herzen) bleiben.

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Mittwoch, 14. August:

Sophie Hunger (22/24 Euro)

Eigentlich, denkt man, ist über die Schweizerin Emilie Jeanne-Sophie Welti, Künstlername Sophie Hunger, schon alles geschrieben und gesagt worden. Dann hört man einen Song wie „Das Neue“ von ihrem aktuellen Album „The danger of light“, in dem sie sich Gedanken über die allgegenwärtigen Veränderungen macht und schließlich feststellt, dass sie ja auch nicht so bleiben kann wie sie ist.

Deshalb ging sie für ihre aktuellen Aufnahmen auch nach Amerika und Kanada und hat sich dort bei einigen der Besten bedient. Wer die Namen kennt, weiß was ihn erwartet: Josh Klinghoffer (Gitarre, PJ Harvey), Nathaniel Walcott (Piano, Bright Eyes), Steven Nistor (Schlagzeug, Danger Mouse) plus Produzent Adam Samuels (Pearl Jam, Daniel Lanois). Viele gute Köche also, die hier erfreulicherweise den Brei nicht verderben, sondern mit ihren unterschiedlichen Einflüssen und Stimmungen den Sophie-Hunger-Kosmos zwischen Punk, Soul und Folk adäquat ausloten. Über Sophie Hunger ist noch längst nicht alles gesagt und geschrieben worden. 

Die Schweiz hat ihren Reiz: Sophie Hunger singt "Le Vent nous portera"... (nur die Fassung von Noir Desir ist noch schöner): 

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Donnerstag, 15. August:

Leslie Clio (20/22 Euro)

In Großbritannien hat das Ganze einen Namen: Blue Eyed Soul. Und eine lange Tradition, die in den 60–er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Dusty Springfield und Petula Clark begannn. Die Interpretinnen heute heißen Joss Stone, Duffy oder Adele.  

Neu hinzu gezählt werden darf zu diesem erlauchten Kreis seit Beginn des Jahres Leslie „I couldn’t care less“ Clio (sie heißt tatsächlich so). Mit der in Hamburg aufgewachsenen 26-Jährigen verfügt die deutsche Musikszene endlich über ein gelungenes Pendant zu den Brit-Soul-Ladys. Dabei ist sie bei denen nicht mal „in die Schule“ gegangen. Ihre Musikalische „Erweckung“ war das Album „The Miseducation of Lauryn Hill“. Es folgten Destiny’s Child, Sam Cooke, Marvin Gaye. Den Soul-Gesang und „die richtigen Töne“ hat sie sich selbst beigebracht, auch schreibt sie ihre Songs selbst und redet auch im Studio ein gewaltiges Wort mit – ein Vorbild in Sachen emanzipatorischer Behauptung zwischen Sexyness, Selbstbestimmung und zeitlos guter Soulmusik und nicht ein Plagiat wie Joy Denalane oder Cassandra Steen. 

Deshalb hat der Automobilhersteller Ford nach der spanischen Indie-Ikone Anni B Sweet und Englands neuem Shooting Star Jessie Ware für seine aktuelle Fiesta-Kampagne („Was würdest Du tun?“) auch Leslie ausgewählt, obwohl sie mit Nachnamen ja wie das Produkt eines Mittbewerbers heißt. 

Nach Lee Fields und Iyeoka das dritte Soul-Ass im Kulturzeltprogramm -  Motown made in Germany.

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Freitag, 16. August:

Lukas Graham (22/24 Euro)

„Ich war vor ein paar Monaten auf einem Konzert von Lukas Graham und war, trotz geringer Erwartungshaltung, im Nachhinein total begeistert, so dass der Kauf des Albums Pflicht war.“ 

„Man hat mir gesagt, dass die Jungs aus Dänemark live noch besser sein sollen, aber das Album ist schon der Hammer.“ 

„Ich bin froh, dass ich dem Tipp eines Freundes gefolgt bin und in die CD von Lukas Graham reingehört habe. Jetzt habe ich eine musikalische Begleitung für Sommernachmittage am Pool ebenso wie für Abende auf dem Sofa.“ 

So und so ähnlich lesen sich die Eintragungen für Lukas Graham bei Facebook, Google, Twitter und Amazon und die Schreiber haben alle eines gemeinsam: Aus anfänglicher Skepsis wurde totale Begeisterung. Somit entspricht das Engagement der nach ihrem Frontmann Lukas Graham Forchhammer benannten dänischen Funk-Pop-Band ganz der Kulturzelt-Politik, interessante, noch unbekannte Künstler zu präsentieren, die dann den Überraschungseffekt und die große Karriere auf ihrer Seite haben. Wobei die bei Lukas Graham mit drei Singles (Ordinary Things, Drunk in the Morning, Criminal Mind), alle im Heimatland mit Platin ausgezeichnet, einem zweifach Platin-ausgezeichneten Album (schlicht Lukas Graham betitelt) und der Verleihung des „dänischen Echoes“, dem Danish Music Award, ja schon sehr weit fortgeschritten ist.

Sind Lukas Graham das europäische Pendant zu Maroon 5? Am Ende dieses Abends werden wir es wissen.

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Samstag, 17. August:

Manu Katché Quartet (24/26 Euro)

Wo beginnen, wo enden, wenn man sich dem Phänomen Manu Katché nähern will? 

Er ist der überaus disziplinierte Konservatoriums-Absolvent. Er ist der Drummer einiger der größten Stars und Bands, der Rock- und Pop-Musik, auf dessen Beats unter anderem Joni Mitchell, Sting, Peter Gabriel und die Dire Straits bauten. Und er ist der Jazz-Drummer mit diesem einmaligen Swing, der seit gut einer Dekade die Musik von Michel Petrucciani, Herbie Hancock und Jan Garbarek bereichert. Abgesehen davon komponiert, textet und produziert er. 

Im französischen Fernsehen hat er eine eigene Show in der er ausgewählte Weltmusik-, Jazz- und Rock-Acts vorstellt und ist Gastjuror bei einer Casting Show, in der junge Talente gesucht werden. Klar, dass Weltunternehmen wie die Schlagzeughersteller von Yamaha und die Becken-Bauer von Zildjan auf seine Erfahrungen und Ratschläge bauen und Produkte danach konstruieren. 

Unter welchem Aspekt auch immer man Manu Katché betrachtet, in allem, was er beginnt und was er tut ist er herausragend. Schreiben wir also nicht länger darüber sondern freuen uns, dass er die Zeit gefunden hat, im Kulturzelt mal mit seinem eigenen Ensemble aufzutreten. Etwas besseres in diesem Genre bekommt man an diesem Abend auch in New York oder London nicht zu hören: Der Drummer der Weltstars mit einem eigenem Programm

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Sonntag, 21. Juli: 

Michael Wollny Trio (Eintritt: 22/24 Euro) 

Vor zwei Jahren überraschte Michael Wollny, bei den Klaviertagen in Bad Wildungen mit einer Komposition namens „Bad Wildungen“. Im vergangenen Jahr war er schon einmal im Kulturzelt zu Gast – als Pianist von Nils Landgren. Und im November gab er in Göttingen ein Konzert, über das die HNA schrieb „das aufregendste Klaviertrio, das der Rezensent seit Jahren gehört hat.“ 

Es war eines der letzten Konzerte, das das Trio mit der Bassistin Eva Kruse gab, denn die befindet sich jetzt im „Mutterschaftsurlaub“. Da Michael Wollny als einer der führenden deutschen Jazzpianisten in unserer Region nun hinreichend bekannt ist, richten wir unser Augenmerk mal auf den neuen Bassisten, den Wollny und sein kongenialer Partner am Schlagzeug, Eric Schaefer, für die Konzerte im Sommer gewinnen konnten. Denn dies ist kein geringerer als der Amerikaner Tim Lefebvre (wird Leh-Fave ausgesprochen). 

Der spielte bisher nicht nur mit John Mayer, Nick Cave, Donald Fagen, Elvis Costello, Snoop Dogg und Emmy Rossum, sondern lieferte auch Kompositionen für Fernsehserien wie die „Sopranos“ und „30 Rock“, sowie für die Filmsoundtracks von „Oceans 12“ und „Ocenas 13“ und „Departed“ (Unter Feinden). Außerdem ist er Mitglied der „Saturday Night Live“-Band. Nicht schlecht für einen Mann, der eigentlich mal Politikwissenschaften und Ökonomie studiert und das Studium auch abgeschlossen hat. 

Dieser Abend bietet eine Begegnung mit drei Spitzenmusikern ihres Genres, wie man sie mit etwas Glück sonst nur auf großen Festivals erleben kann.

Video: Michael Wollny auf dem Jazz Baltica Festival

Video: Tim Lefebvre

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HNA-Konzertkritik

Mittwoch, 21. August:

Polica (20/22 Euro)

Indie-Pop aus Indi(e)anapolis. Zur Zeit eine der hoffnungsvollsten US-Bands

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Donnerstag, 22. August: 

Caravan Palace (22/24 Euro)

Django Reinhardt trifft auf Daft Punk, Swing auf Electro

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Freitag, 23. August:

Edgar Knecht

Quartett (22/24 Euro)

Das Kulturzelt wird zum Institut für angewandte Pianistik

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Samstag, 24. August: 

Get Well Soon

(22/24 Euro)

Konstantin Gropper gibt sich erneut die Ehre

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Sonntag, 25. August:

17 Hippies

(24/26 Euro)

... werden kommen, um "Adieu" zu sagen

Video: Adieu

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HNA-Konzertkritik

Von Wilhelm Ditzel

Rubriklistenbild: © Foto: Goldwek/nh

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