Konzerte vom 30. Juni bis 19. August an der Drahtbrücke/Fulda

Kulturzelt Kassel 2017: Programm, Tickets und Festival-Lieblinge

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37 Konzerte gibt es beim Kasseler Kulturzelt: Mit dabei ist auch Asaf Avidan. Das Kasseler Kulturzelt findet diesmal eine Woche länger statt als sonst. Fotos: dpa

Kassel. Vom 30. Juni bis 19. August findet an der Drahtbrücke das Kulturzelt Kassel 2017 statt. 37 Konzerte gibt es. Hier stellen wir das Programm vor und sagen, was sie sonst noch wissen müssen.

In der Weltkunstausstellung documenta 14 steckt viel Musik drin. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Kunstwerk, sondern um einen willkommenen Nebeneffekt für das Kasseler Kulturzelt.

Jedenfalls steht für Angelika Umbach und Lutz Engelhardt fest, dass sie einige Sänger und Bands, die in diesem Jahr dort auf der Bühne stehen, nicht hätten buchen können, wäre 2017 nicht ein d14-Jahr. „Manche Musiker stehen schon lange auf unserer Wunschliste, aber wir haben sie einfach nicht bekommen“, sagt Angelika Umbach und freut sich über den außergewöhnlichen Zuspruch. Die Indie-Pop-Band Bilderbuch aus Österreich gehöre ebenso dazu wie das Multitalent Jacob Collier, erklärt Engelhardt. Während andere Veranstalter eher mit weniger Gästen während der 100 documenta-Tage rechnen, sieht das beim Kulturzelt anders aus. Wohl auch deshalb, weil das Festival 1987 als Begleitprogramm zur d8 startete.

Joy Denalane

Doch nicht nur, was das Programm angeht, werde das Kulturzelt von der documenta profitieren. „Es wird sicher auch wieder mancher Ausstellungsbesucher in unser Zelt kommen“, sagt Umbach. Spätestens dann, wenn sie einmal in unserem Biergarten eine Verschnaufpause eingelegt haben, werden sie wiederkommen – zum Konzert. Und genau davon hat das Kulturzelt vom 30. Juni bis 19. August insgesamt 37 zu bieten. „Wir rechnen mit einem noch offeneren und neugierigeren Publikum als sonst“, sagt Umbach.

Deshalb sind die Veranstalter diesmal etwas experimentierfreudiger: DUB FX, Jacob Collier, Divine Comedy, Salif Keita, Höchste Eisenbahn, Go Go Penguin und Faber/Fil Bo Riva sind Musiker, die gerade allesamt schwer im Kommen sind. Zugleich soll ein jüngeres Publikum angesprochen werden – mit Maxim, Wincent Weiss und Teesy zum Beispiel.

Da die documenta nicht nur so etwas wie ein extra Künstler-Bonbon für das Kulturzelt ist, sondern dem Festival wohl auch mehr Besucher einbringen wird, wurde das Kulturzelt um eine Woche verlängert – damit noch mehr Musik drin steckt.

Das Programm vom Kulturzelt Kassel 2017

Juni und Juli

30. Juni und 1. Juli: Seven beackert ein Feld, dass Michael Jackson und Prince bepflanzten.

2. Juli: DUB FX, Benjamin Stanford loopt seine eigene Stimme und imitiert mit Mund, Nase und Rachen Instrumente.

5. Juli: Wincent Weiss. Mit „Musik Sein“ ist er in den Charts.

6. Juli: Mighty Oaks, auf der Bühne feiert das Trio das Abenteuer, die Freiheit und die Liebe.

7. Juli: Michael Wollny Trio, Jazzpianist, Musik-Erfinder und Querdenker.

8. Juli: Myles Sanko, der Soulsänger war der Überraschungssieger 2017.

9. Juli: Asaf Avidan, „Bob Dylan and Janis Joplin made a baby together“, heißt es über ihn.

12. Juli: The Head and the Heart, mit „Mumford & Sons“ werden die Musiker verglichen.

13. Juli: Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox versprechen die aufregendste 20er-Jahre-Party seit „The Great Gatsby“.

14. Juli: Warpaint aus Amerika wurden schon als „die weiblichen Nirwanas“ betitelt.

15. Juli: Tingvall Trio, starke Melodien und keine Scheu vor Nähe zum Pop.

16. Juli: Lee Fields & The Expressions. Gallionsfigur der Retro-Soul-Bewegung.

19. Juli: Ry Cuming alias RY X: Mit „Howling“ hat er sich in den Herzen der Club-Welt plaziert.

20. Juli: Valerie June, Sängerin, Gitarristin, Banjo-, Ukulele- und Lap-Steel-Spielerin aus Amerika. 21. Juli: The Slow Show, gelassene und intensive Arrangements.

22. Juli: Joy Denalane hat mit „Gleisdreieck“ ein neues Album veröffentlicht.

23. Juli: Bilderbuch, kultige Wiener Indie-Pop-Band

26. Juli: Jacob Collier spielt Schlagzeug, Klavier, Orgel, Gitarren, Ukulele, elektrischen und akustischen Bass und singt.

27. Juli: Divine Comedy, die irische Band gestaltet eine musikalische Welt zwischen britischem Edelpop, Chanson und Rock.

28. Juli: Element of Crime, Sven Regener und seine Mannen gehören zu den einflussreichsten Bands aus Deutschland.

29. Juli: Max Mutzke, Pop-, Soul- und Jazzmusiker.

30. Juli: Lucky Chops: die Mission, die Energie einer Rockband mit der Tanzbarkeit eines EDM DJs zu verknüpfen.

August

2. August: Lambchop mit ihrem Mastermind Kurt Wagner sind ein Phänomen. Einzige Konstante in der Musik ist Wagners rauchige tiefe Stimme.

3. August: The Notwist, haben sich von (punk-)rockigen Anfängen bis zur melancholischen Fusion von Elektronik und Popmusik entwickelt.

4. August: Teesy gilt als Cro des deutschsprachigen R&B.

5. August: Maxim, klassisches Songwriting steht hier neben loop- und samplebasiertem Experimentieren mit Beats.

9. August: Die höchste Eisenbahn. Die Band aus Berlin hat ein Händchen für Melodien, für kluge Geschichten und riesengroße Refrains.

10. August: Roberto Fonseca aus Kuba war Mitglied des Buena Vista Social Club.

11. August: Roachford, der Soulsänger interpretiert Songs seiner musikalischen Vorbilder Stevie Wonder und Bill Withers.

12. August: Nils Wülker & Band: Der Jazz-Trompeter und Echo-Preisträger spielt sich über die Genres unbekümmert hinweg. 13. August: Salif Keita gilt heute als bedeutendster musikalischer Botschafter Westafrikas.

16. August: GoGo Penguin, das aus Manchester stammende Akustik-Jazz- und Electronica-Trio ist der wohl heißeste Act der jungen britischen Jazzszene.

17. August: Faber & Fil Bo Riva, Fabers Texte leben vom raschen Wechsel zwischen Heiterkeit und Melancholie, zwischen Ironie und Tanz. Fil Bo Riva ist ein Liebling der urbanen Szene.

18. August: Judith Holofernes, Sängerin von „Wir sind Helden“, ist solo unterwegs.

19. August: 17 Hippies, weils so schön ist und heiter spielen sie wieder den Abschluss.

Standort, Website und Tickets fürs Kulturzelt Kassel

Ort: Drahtbrücke/Fulda

Dauer: 30. Juni bis 19. August Stilrichtungen: Fast alles von Rock über Jazz, Soul, Pop und HipHop bis Weltmusik. „Wir machen die Sachen, die uns selbst gefallen“, sagen die Veranstalter Angelika Umbach und Lutz Engelhardt.

Status: Eines der schönsten Festivals der Region.

Hauptsponsor: Wintershall

Zelt: Gab es in 31 Jahren fünf. Seit 2010 wird in einem komfortablen Konzertbau gespielt.

Im Internet: www.kulturzelt-kassel.de

Tickets: Beim HNA-Kartenservice online oder per Telefon 0561/203-204. Auch bei den ausverkauften Veranstaltungen wird es jeweils ab 18 Uhr am Kulturzelt eine Abendkasse mit Restkarten geben.

Festival-Lieblinge: Die Kulturzelt-Tipps unserer Redaktion

DUB FX

Wer braucht schon Instrumente, wenn man so eine vielfältige Stimme hat? Der Australier Benjamin Stanford, der als DUB FX unterwegs ist, sicher nicht. Der Sänger und Beatboxer imitiert mit seiner Stimme Instrumente. Mit dem „live looping“, einer Methode der Liveaufnahme, ist es ihm möglich, alle Beats und Instrumente zu spielen. Und: Er singt in seinem Mix aus Reggea und Hiphop über aktuelle Ereignisse. (2.7.) Empfohlen von Max Morrison

The Notwist

Songs der Indie-Band The Notwist, 1989 im oberbayerischen Weilheim gegründet, hatte ich lange als Klingeltöne auf dem Handy. Sattgehört habe ich mich nie. All das Soundgefrickel, die Klangexperimente der Formation um die Brüder Markus und Micha Acher lösen sich stets auf in Melodien, die die Welt verzaubern. Ihren Kulturzelt-Auftritt 2013 musste ich versäumen. Ich bin heilfroh, dass The Notwist wiederkommen. (3.8.) Empfohlen von Mark-Christian v. Busse (48)

Jacob Collier

Kürzlich erschien mit „In My Room“ Jacob Colliers Debütalbum. Der 22-Jährige nahm alle Stücke in einem Zimmer auf, was ein Sinnbild für seine Musik ist. Er erschafft mit ihr einen eigenen Raum – künstlich und doch voller Leben. Ihn live zu erleben, ist faszinierend: Er spielt alle Instrumente selbst, springt von einem zum nächsten. Und lebt in einem Musikland der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Jazzer, der die Grenzen überschreitet. (26.7.) Empfohlen von Maja Yüce

M. Wollny Trio

Muss Jazz immer schnell sein? Nein, es genügt, wenn die Musik gut ist. Sehr gut ist das Titelstück „Nachfahrten“, das den Abschluss des gleichnamigen Albums des Michael Wollny Trios bildet, und auch sehr langsam. Was der Ausnahmepianist mit seinen Trioapartnern Christian Weber (Bass) und Eric Schaefer (Drums) zeigt, ist oft verstörend, immer intensiv und vor allem musikalisch erstklassig. Ein absoluter Tipp für den 7. Juli! Empfohlen von Werner Fritsch

Bilderbuch

CD im Auto eingeworfen – und sofort wollte ich, dass die Fahrt nie endet. Ich wollte in dieser Musik hängenbleiben, die so frech, sexy und untergründig-wild aus den Boxen drang. Diese eigenartige Mischung aus Funk, Schmäh und Glamour kriegt man wohl so nur in Österreich hin. „Magic Live“ ist ein superbes Album, weil man spürt, wie kreativ Bilderbuch an ihrem witzig-vertrackten Songkonzept und dem angerauhten Klang getüftelt haben. (23.7.) 

Empfohlen von Bettina Fraschke

17 Hippies

Ihr Konzert am Fuldaufer fühlt sich an wie ein Familientreffen. Sobald die 13 Musiker auf der Bühne stehen, geht die Post ab. Keiner schafft es wie sie, mit einem Musikstilmix einen so herrlichen Rabbatz zu veranstalten, und wenig später das Publikum in melancholische Glückseligkeit zu versetzen, etwa wenn Kiki Sauer ein Chanson singt. Die Spielfreude ist den Hippies anzumerken. Und ein Kulturzeltabschluss ohne sie unvorstellbar. (19.8.) Empfohlen von Ilona Polk

Das Kulturzelt bei Kassel Live

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