Festival an der Drahtbrücke

Kulturzelt: Fado-Sängerin Carminho bot intime und gefühlvolle Show

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Charismatisch: Carminho beim Auftritt im Kulturzelt.

Kassel. Der Fado-Star Carminho ließ das Publikum am Samstag im Kulturzelt an ihren Gefühlen teilhaben und bot eine intime Show mit tollen Begleitmusikern.

Wo holt sie diese Gefühle nur her? Carminho schöpft tief aus ihrer Seele. Sie legt Traurigkeit, Sehnsucht, Zuversicht, aber auch die Gewissheit, geborgen zu sein im Schutz einer höheren Macht auf ihre Lippen und in ihre Stimme, und erfüllt das Kasseler Kulturzelt mit einzigartiger Klangenergie. „Fado ist die portugiesische Art, unser Herz zu zeigen“, erklärt sie, „und hier sind vier Herzen, die erfüllt sind von der Freude, bei euch zu sein“.

Mit klassischer Triobesetzung (akustische Gitarre: Flavio Cardoso, portugiesische Gitarre: Luis Guerreiro, akustische Bassgitarre: José Marino Freitas) möchte Carminho die intime Stimmung einer Lissaboner Fado-Bar erzeugen, in der letzten Zugabe schaltet sie dafür sogar jede elektronische Verstärkung ab. Menschen teilen am Samstagabend für gut 90 Minuten ihre Gefühle, verbinden ihre Herzen im Klangraum der Musik – im vollen Kulturzelt gelang das hervorragend, ließ sich das Publikum auf diese sehr persönliche Reise nach Innen ein. Bei der gesungenen Liebeserklärung „Bom Dia, Amor“ sang der Saal sogar unter Anleitung mit - und: Dem Nachbar dabei bitte tief in die Augen sehen.

Carminho erzählte, wie ihre Mutter ihr schon mit zwölf Jahren auf den Weg gegeben hat, dass sie ausschließlich Texte singen dürfe, an die sie auch glaube – andernfalls glaube ihr ihr Publikum nicht. Sie schenkte ihren Zuhörern zum Abschluss ihren Herzens-Fado, „den singe ich quasi, seit ich geboren bin“. „As minhas penas“ ist mit seinem zarten Beginn und seiner sanften Steigerung eine wundervolle poetische Miniatur über die Hartnäckigkeit des Seelenschmerzes.

Mit ihrer charismatischen und über alle Lagen ausdrucksstarken Stimme gestaltet sie lange Phrasen, wechselt in Staccati und Synkopen und gönnt sich zwischendurch kleine „Happy-Fados“ mit folkloristischem Charakter.

Die virtuosen Musiker können auch in Instrumentalstücken glänzen, manchmal sitzt Carminho singend zwischen ihnen, verbindet die verträumten Klänge der Guitarra Portuguesa mit ihrer Stimmkraft. Zu den Höhepunkten gehörte das flehende „Senhora da nazaré“ und das klanglich hell leuchtende „Chuva no mar“ der brasilianischen Künstlerin Marisa Monte über die Wellen der Veränderung, die durch uns fließen.

Dienstag, 19.30 Uhr, im Kulturzelt: Alice Phoebe Lou

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