Viel Groove und noch mehr Charme

Wie beim ersten Date: Rapperin Fiva geht fremd im Kulturzelt

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War auf alles vorbereitet: Mit einem Regenmantel betrat Rapperin Fiva die Bühne des Kasseler Kulturzelts.

Kassel. Fiva kann keine Hits schreiben. Trotzdem haben sich alle im Kulturzelt in die Rapperin verliebt. Mit Bigband lieferte sie das vielleicht beste schlechtbesuchte Konzert der Saison ab.

Es ist gut möglich, dass sich die Besucher des Fiva-Konzerts im Kasseler Kulturzelt bald von ihren Partnern trennen werden. Am Ende ihres Auftritts gestand die Münchner Rapperin, dass es für sie an diesem Abend wie beim ersten Date gewesen sei. "Sind wir vielleicht zusammen?", fragte sie. Anschließend traf man tatsächlich einige Besucher, die sicher waren, sich an diesem verregneten Donnerstagabend in Fiva verliebt zu haben.

Dabei ist es ein kleines Wunder, dass sie die 39-Jährige überhaupt kennengelernt haben. Wegen des Unwetters, das über die Stadt zog, musste das Kulturzelt zwar nicht evakuiert werden, wie Fiva befürchtete, aber das Konzert begann mit einer Viertelstunde Verspätung. Zudem ist Nina Sonnenberg auch 20 Jahre nach dem Beginn ihrer Rap-Karriere der kommerzielle Durchbruch verwehrt geblieben. "Ich kann keine Pophits schreiben", sagt Fiva, die dafür sehr viel anderes kann. Sie war einst Dritte bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften. Sie moderiert Kultursendungen auf 3Sat und im Radio, betreibt ein Musiklabel und kann selbst skeptischen Konzertbesuchern den Kopf verdrehen.

Das Kulturzelt war nur zur Hälfte gefüllt. Viele der Gäste hatten zudem von der Agentur Lopo Media für deren jährliches Zusammentreffen mit Kunden und Freunden eine Freikarte bekommen. Sie wussten nicht, was sie erwartet. Herauskam so das vielleicht beste schlechtbesuchte Konzert dieser Saison.

Das lag zum einen an der 13-köpfigen Jazzrausch Bigband, mit der Fiva ihr jüngstes Album "Keine Angst vor Legenden" aufgenommen hat. Die Musiker um Gründer und Posaunist Roman Sladek arrangieren sonst House-Klassiker im Bläsergewand und spielen regelmäßig in Techno-Clubs. Im Kulturzelt stülpten sie dem lässigen Conscious-Rap von Fiva ein grooviges Orchestergewand mit Jazz-Anleihen und viel Soul über.

Zum anderen lag das natürlich an Fiva selbst, der Logopädin der deutschen Rap-Szene. Sie hat nicht nur den richtigen Flow, sondern man versteht anders als bei vielen ihrer Kollegen auch jedes Wort. Eine ihrer vielen schönen Zeilen lautet: "Ich bin ein Goldfisch und muss nicht im Gold schwimmen." Eine andere: „Um wirklich cool zu sein, sind wir viel zu alt.“ Das mit der Coolness und dem Alter ist komplett egal, wenn man "gerade die beste Zeit meines Musikerlebens" hat, wie sie versichert.

Für ihre Freestyle-Raps zu den Beats von DJ Radrum erhält sie viel Szenenapplaus. Zwischendurch schäkert sie auf charmante Art mit den Besuchern, die längst Fans geworden sind. Und schließlich wird das Konzert sogar noch zum Selbsthilfekurs. "Klar kommen & dreckig gehen" handelt davon, dass Menschen, die einem sehr wichtig sind, auch extrem nerven können.

Trotzdem, rät Fiva, sollte man sich nicht von ihnen abwenden. Sie empfiehlt, die Wut rauszuschreien: "Ich verspreche, dass es euch danach besser geht." Das machen dann wirklich alle. Es spricht doch einiges dafür, dass diejenigen, die Fivas Auftritt erlebt haben, noch lang mit ihren Partnern zusammenbleiben.

Alle Infos zum Kasseler Kulturzelt gibt es in unserem Spezial.

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