Kulturzelt: Wenn ein frisch gebackener Vater himmlisch singt

Bezaubernd: Idan Raichel (links), Andreas Scholl. Foto: Zgoll

Vom Kreißsaal ins Kulturzelt: Countertenor Andreas Scholl und Popsänger Idan Raichel gaben im Kasseler Kulturzelt ein denkwürdiges Konzert.

Kassel. Diesen Abend wird man nicht vergessen: Der israelische Popmusiker Idan Raichel begeisterte im Kulturzelt gemeinsam mit dem Star-Countertenor Andreas Scholl. Hinzu kam ein privates Ereignis, denn Scholl war nur wenige Stunden zuvor Vater einer Tochter geworden.

Eine Viertelstunde nach regulärem Konzertbeginn betritt Idan Raichel die Bühne, singt eines seiner gefühlvollen Lieder und sagt, dass er Neuigkeiten habe: Andreas Scholls Frau habe ein Kind zur Welt gebracht, und der Sänger komme nun ganz schnell nach Kassel.

Scholls Frau ist die renommierte israelische Cembalistin Tamar Halperin. Sie hätte bei dem Konzert dabei sein sollen. Noch am Vorabend absolvierte sie den Auftritt im Kurhaus Wiesbaden, wo Scholl mit dem Rheingau-Musik-Preis ausgezeichnet wurde. Auch im Kulturzelt ist ein Cembalo für sie bereitgestellt, doch das Baby kam früher als gedacht.

In der Ausnahme-Situation lässt Idan Raichel seinen Charme spielen. Zu hören sind unterhaltsame Zwischenansagen und sanfte, melodiöse Weltmusik. Gilad Shmueli (Drums) und Yogev Glusman (E-Bass, Violine) begleiten einfühlsam, Maya Avraham und Avi Wogderess Vasa bereichern das vokale Element.

Nach 45 Minuten wird Andreas Scholl vom Publikum mit Jubel und Gratulationswünschen empfangen. Der Weltklasse-Sänger aus Kiedrich im Rheingau sagt: „So schön, heute Abend hier zu sein. Ich verdanke das meiner Frau, die eine ganz, ganz tolle Frau ist.“ Scholl berichtet, dass sie zu ihm gesagt habe: „Wann musst du denn zum Zug? Du musst heute Abend noch singen.“

Scholl singt himmlisch, bezaubert mit geschmeidigsten Gesangsbögen. Unter anderem erklingt Raichels neue Melodie zu Friedrich Spees „In stiller Nacht“. Wunderbar facettenreich wird nach einer Pause die zweite Konzerthälfte.

Der Countertenor zelebriert ganz allein eine altenglische Ballade und zur E-Bass-Begleitung Henry Purcells „Music for a While“. Spontan interpretiert er mit Raichel das Wiegenlied „Shir Eres“ des israelischen Komponisten Sasha Argov. Dabei lässt er auch seine ebenfalls toll klingende tiefe Bariton-Lage hören.

Raichel wechselt dann noch vom Klavier zum Cembalo, und gegen Ende dreht die Band richtig auf, dass es das Publikum im sehr gut gefüllten Kulturzelt von den Sitzen reißt. Ovationen beschließen ein denkwürdiges Konzert.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.