Höhepunkt der Festival-Geschichte

Kulturzelt Wofhagen: Viel Jubel für Powerfrau Anastacia

+
Powerfrau mit viel Gefühl: Sängerin Anastacia bei ihrem Auftritt in Wolfhagen. Foto: Norbert Müller

Wolfhagen. Es war der Höhepunkt der Festival-Geschichte in Wolfhagen: Anastacia trat am Donnerstagabend im Kulturzelt auf. Es war ein Konzert der Extraklasse. 

Sprock. Ein Wort, das der Duden nicht kennt. Eines, das die Musik von Anastacia beschreibt. Denn die Sängerin hat ihren eigenen Musikkosmos geschaffen – eine Mischung aus Soul, Pop und Rock. Wie gewaltig die Stimme des gerade 1,57 Meter großen Popstars noch immer ist, der mit „I’m Outta Love“ (2000), „Left Outside Alone“ (2004) und „Heavy On My Heart“ (2005) Hits landete und Stadien mit über 40 000 Fans füllte, wurde am Donnerstag auf der vergleichsweise kleinen Bühne des Wolfhager Kulturzeltes deutlich.

Anastacia ist nicht nur der Hauptact der Saison, für die Veranstalter in „Wulfhägen“, wie es der US-Star ausspricht, ist ihr Auftritt der Höhepunkt der ganzen Festival-Geschichte. Und so wurde die Frau, die es nicht nur musikalisch nicht schlicht mag, auch vom Publikum im ausverkauften Zelt jubelnd empfangen und feiernd, klatschend und singend durch den Abend begleitet.

Anastacia trägt große Ohrringe mit Friedenszeichen, gerne auch Nieten und Glitzer. Dompteurs-Blazer in Gelb trifft auf Jeans und Badeanzug-Verschnitt – drei Mal wechselt sie ihr Outfit. Obwohl es die Songs des aktuellen „Evolution“-Albums trotz des radiotauglichen „Caught In The Middle“ oder der kraftvoll-zarten Ballade „My Everything“ nicht an die Spitze der Charts schafften, setzt sie bei der gleichnamigen Tour auf viele der neuen Titel. Weil sie ihr wichtig sind, sagt sie. Klar, sie spielt auch ihre großen Hits, dabei singt das Publikum mit – das gefällt ihr.

Aber sie hat auch einen Dickkopf, den hatte sie schon, als sie mit Anfang 20 bei einem Talentwettbewerb des Musiksenders MTV entdeckt wurde. Sie setzte auf selbstgeschriebene Songs, ließ sich nicht in ein Pop-Korsett quetschen. Ihre neuen Stücke sind ernster. Der Sound klingt immer noch nach Anastacia. Druckvoll klingender Power-Soul, der aber weniger geschmeidig und nicht ganz so eingängig ist. Die 50-Jährige, hinter der zwei Brustkrebserkrankungen liegen, hat etwas zu sagen, singt vom Leben, der Liebe, vom Schmerz. Manchmal mit etwas zu viel Pathos. Sie ist eben eine Power-Frau mit viel Gefühl – setzt nicht auf den Niedlichkeitsfaktor, den so viele ihrer Kolleginnen bedienen, und wirkt authentisch.

Mit ihren Balladen nimmt sie immer mal wieder das Tempo raus, formt Herzen mit den Händen und beweist, dass sie auch feine Nuancen beherrscht. Und wenn sie laut ist, was sie oft ist, bringt sie die Zeltwände mit ihrer Powerröhre zum Vibrieren.

An ihrer Seite zwei singende Tänzerinnen und eine Band, die mit wabernden Synthies und kräftigen Beats für einen gehörigen Wumms sorgt, im Vergleich zur großen Besetzung bei der Studioproduktion von „Evolution“ – nur fünf Musiker. Die aber mit ein paar zusätzlichen Tastendrücken opulente Orchestrierungen für die auf Wirkung bedachten Arrangements sorgen und die Stimme der Popikone zu umarmen scheinen – Sprock der Extraklasse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.