Das Bildhauerpaar Lutz und Silvia Freyer wirbt für die Idee seines „Stadtteilmuseums“

Kunst, die alle anspricht

Der Prototyp: Lutz und Silvia Freyer mit dem „Stadtteilmuseum“, wie es in Rothenditmold stand. Foto: nh

Kassel. An vielen Skulpturen im öffentlichen Raum sehe man sich irgendwann satt, findet Lutz Freyer. Mit seiner Frau Silva - beide haben in Düsseldorf und Kassel Bildhauerei und freie Kunst studiert - hat er die Idee einer Skulptur entwickelt.

Diese ist ständigen Veränderungen unterzogen, damit sie „frisch und lebendig bleibt“: das „Stadtteilmuseum“.

2007 gab es für eineinhalb Jahre, bis zum Umbau des Gewerbehofs, einen Prototypen in Rothenditmold. Diesen Sommer soll es nach dem Willen des Ortsbeirats in Wilhelmshöhe entstehen, und wenn es nach den Freyers geht, könnten weitere Stadtteile folgen. Interesse gebe es am Jungfernkopf, wo die Freyers in der Straße Am Obstkeller Bildhauerkurse geben, und in Kirchditmold.

Ein „Stadtteilmuseum“, das ist eine zwei Meter hohe, obeliskähnliche Betonstele mit den Maßen 65 mal 65 Zentimeter und einer beleuchteten Verglasung. Wie in einer Vitrine kann ausgestellt werden - eben nicht in einer Galerie, sondern an einem belebten Treffpunkt, auf der Straße, ohne feste Öffnungszeiten, zum Betrachten im Vorübergehen.

Die Idee: Menschen aus dem jeweiligen Stadtteil können eigene Kunstwerke ausstellen oder auch das, was ihnen wichtig ist, was sie mit anderen teilen möchten. Der ständige Austausch im Stadtteil-Schaufenster soll Menschen in Kontakt und Dialoge in Gang bringen, Einrichtungen des Stadtteils vernetzen. Ein Ausstellungsraum auch im übertragenen Sinn auf Augenhöhe, Sinnbild der Gleichheit aller Einwohner. Indem er im Glaskasten ausstelle, sagt Lutz Freyer, könne jeder zeitweilig und unter gleichen Bedingungen zur öffentlichen Person werden.

15 000 Euro soll ein Stadtteilmuseum kosten, das beinhaltet auch Betreuung und Koordination des „soziokulturellen Kunstprojekts“ für zwei Jahre. Dann müssen es Stadtteil-Institutionen, Schulen, Firmen oder Privatpersonen übernehmen. Auch für die Stele in Wilhelmshöhe sind Lutz und Silvia Freyer noch auf Sponsorensuche.

Kunst soll niemanden ausschließen, jedermann Zugang haben, dieser Gedanke ist den Fritz-Schwegler-Schülern ebenso wichtig wie die Auffassung, dass der Stadtraum den Bürgern zur Verfügung steht.

Dass die Bewohner das Mandat haben, ihre Umgebung mitzugestalten: Das vertraten die Freyers schon als junge Künstler, als sie im Stadtraum Sonnenblumen pflanzten und „Blitzkunst“ aus Beton anfertigten. Im Sinn der Beuys-Devise „Jeder ist ein Künstler“ gelte das aber für jeden Bürger.

www.stadtteilmuseum.com

Von Mark-Christian von Busse

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