Die faszinierende Ausstellung „Collagen. Sammeln“ mit einem breiten Querschnitt im Kunsttempel

Kunst ist dort, wo du sie findest

„Art is where you find it“: Installation von Jürgen O. Olbrich. Foto: Gebhardt

Kassel. „Art is where you find it.“ Kunst ist dort, wo du sie findest: Zwölf Papiertüten, eine Botschaft. Vielleicht die zentrale überhaupt in der faszinierenden Ausstellung „Collagen. Sammeln“, die derzeit im Kunsttempel zu sehen ist.

Einerseits handelt es sich um einen breiten Querschnitt durch dieses künstlerische Verfahren - andererseits zeugt die Ausstellung mit ihren ausgezeichneten Beispielen von der langjährigen Tätigkeit - oder sollte man sagen Obsession? - des Mainzer Sammlers Gerhard Meerwein.

300 Collagen von den 20er- Jahren bis zur Gegenwart hat Meerwein in 30 Jahren zusammengetragen. Der Kunsttempel zeigt eine repräsentative Auswahl mit Arbeiten von immerhin rund 70 Künstlern.

Im engen Sinn bedeutet Collage bekanntlich Klebebild (abgeleitet vom französischen coller, also leimen oder kleben). In der Moderne zersplittert die Wahrnehmung, die alten Ordnungs- und Sinngefüge - die ja auch im „alten“ Tafelbild kulminierten -, haben keine Bedeutung mehr. Kurz: Warum soll man die Realität (ab)malen, wenn sie sich auch montieren lässt? Wer collagiert, setzt zusammen, komponiert vielleicht Passendes und Disparates miteinander, fügt Formen, Farben, unterschiedliche Materialien und bildnerische Inhalte, Aussagen oder auch Texte und Textfragmente zu neuen Sinngehalten zusammen. Die dabei entstehende neue Totalität weist über das rein Abbildende weit hinaus.

Der Kasseler Medienkünstler und Copy-Art-Pionier, Jürgen O. Olbrich, bringt es mit seinen Papiertüten-„Installation“ auf den Punkt: Der Satz „Kunst ist da, wo du sie findest“ impliziert nicht nur, dass Kunst erkannt werden will. Er bedeutet auch, dass es zur Kunst den Künstler braucht, der die Artefakte (neu) zusammensetzt.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Herbert Aulich über Joseph Beuys, Christo, Max Ernst, Franz Mon und Timm Ulrichs bis Herbert Zangs. Kein chronologischer Abriss der Kunstform Collage, sondern gleichsam eine Ausstellungscollage, in der die unterschiedlichen Arbeiten auf vielfältige Weise zueinander in Beziehung gesetzt werden. Schade nur, dass man neben der Nennung der Künstler nicht wenigstens auch einen Hinweis zur zeitlichen Entstehung der Werke erhält.

Bis 20.2., Kunsttempel, Fr.-Ebert-Str. 177, Do-So, 15-18 Uhr und n. V., Tel. 0561/24304.

Von Andreas Gebhardt

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