Kunst mit ganz großen Augen: Evelin Höhne kehrt aus Berlin zurück

Ihr Wohnzimmer ist auch Atelier: Malerin Evelin Höhne mit Acryl-Arbeiten in ihrer Wohnung in Ahnatal-Heckershausen. Foto: Lohr

Ahnatal. Ohne dieses selbst bemalte T-Shirt wäre Evelin Höhne vielleicht nie Malerin geworden. Es war Mitte der 90er-Jahre, als die aus Espenau stammende junge Frau in Berlin bei einem Konzert den Künstler Jim Avignon traf.

Er blickte auf ihr T-Shirt, auf dem der Spruch „I’m not an airplane“ stand, was nicht falsch war, Evelin Höhne ist ja tatsächlich kein Flugzeug.

Avignon, der schon damals einer der bekanntesten deutschen Pop-Art-Künstler war, gefiel der Slogan. Später zeigte Höhne ihm ihre Bilder. Die gefielen Avignon noch mehr. „Du musst unbedingt ausstellen“, sagte er. Wenig später zeigte die Neu-Berlinerin ihre Porträts zum ersten Mal in der Öffentlichkeit und verkaufte gleich eines für 300 D-Mark.

Evelin Höhne malt, seitdem sie fünf ist, aber sie hätte nicht gedacht, dass sie davon leben könnte. Heute ist sie 43, ihr Künstlername Evelin ist längst eine Marke. Und ihre Porträts, auf denen vor allem Mädchen und Frauen mit großen Augen zu sehen sind, haben es auf Plattencover geschafft. Ein prominenter Fan ist die Schauspielerin Cosma Shiva Hagen.

Seit einigen Jahren lebt Evelin wieder in ihrer alten Heimat. Ihre Tochter (10) wollte ein Pferd, deshalb sind sie nach Ahnatal-Heckershausen gezogen. Im Wohnzimmer dort malt sie vor allem Auftragsarbeiten, leicht abstrakte Comic-Porträts mit den Evelin-Markenzeichen: Die Augen sind riesengroß, die Nasen werden nur angedeutet. Ein bisschen erinnern die Acryl-Bilder an japanische Mangas, aber Evelin bricht die Niedlichkeit mit Ironie und Slogans wie „Managerkinder weinen nicht“. Ihre Bilder seien nie nur süß, sagt sie: „Sie müssen Pfeffer bekommen.“

Das Pfeffer im Leben von Evelin war fast zwei Jahrzehnte die alternative Künstlerszene im Prenzlauer Berg. Neben der Malerei machte sie Musik in Bands wie Art of Kissing und betrieb die Plattenfirma Fucky Laibel. Für die erste Folge der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ lud sie 2002 den Kunst-Provokateur Christoph Schlingensief und den Dirigenten Christian Thielemann zu sich nach Hause ein. „Berlin war meine Ausbildung zum Ich“, sagt Evelin.

Ihr Förderer Avignon bezeichnet sie als „Gesamtkunstwerk“, weil ihre Persönlichkeit genauso temperamentvoll ist, wie es ihre Bilder sind. Kann so jemand auf dem Land glücklich werden? „Klar“, sagt Evelin. Manchmal legt sie in der Kneipe Mutter in der Nordstadt auf. Und sie sagt: „In Kassel bist du schneller als in Berlin da, wo es lustig ist.“ Wenn der Satz nicht so lang wäre, würde er gut als Slogan auf ein T-Shirt passen.

Evelins Arbeiten sind derzeit im Café Streiter, Wolfhager Straße 391, zu sehen.

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