Alles unter dem Himmel gehört allen

Kassel im Zeichen der großen China-Ausstellung

„Ich suche nach dir“: Unter diesen Titel stellt Xu Junjie seine Wasserinstalltion mit Taucherhelmen. Foto: Fritsch

Kassel. Kaum hat die documenta 13 ihre Tore geschlossen, da wird die Stadt Kassel erneut von Kunst erfüllt. Auffällig andere Kunst, die teils auf spektakuläre, ja sogar schrille Weise, teils auch versteckt und zurückgenommen in die Stadt hineinwirkt.

Es handelt sich ausschließlich um chinesische Gegenwartskunst, wobei manche Werke ihre Herkunft aus der fernöstlichen Tradition deutlicher verraten als andere.

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„Alles unter dem Himmel gehört allen“ heißt die Schau, die zu den größten Veranstaltungen im Rahmen des Kulturjahres Chinas in Deutschland zählt. Bis zum 18. Februar 2013 sind 20 Kunstwerke von 19 Künstlern zu sehen. Sie sind alle im öffentlichen Raum platziert und frei zugänglich. Wer in der Innenstadt, in der Karlsaue und am Fuldaufer oder am Weinberg unterwegs ist, kann die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen bewundern, die die chinesische Kunstszene hervorbringt.

Fotos: Chinesische Kunst im Stadtbild

Chinesische Kunst im Stadtbild: Erste Impressionen

Zahlen und Fakten

Titel: Alles unter dem Himmel gehört allen.

Dauer: 2.10.2012 bis 18.2.2013

Standorte: 20 Standorte in der Kasseler Innenstadt und in der Karlsaue.

Künstler: 19 Künstler mit Arbeiten im öffentlichen Raum, zwei Künstler mit Multimedia-Performance zur Eröffnung im Kasseler Rathaus.

Veranstalter: Chinesisches Kulturministerium aus Anlass des Kulturjahres Chinas in Deutschland 2012.

Kuratoren: Prof. Fan Di’An, Direktor des staatlichen Kunstmuseums, Peking; Prof. Dr. Yu Ding, Vizepräsident der Zentralakademie der Schönen Künste, Peking; Prof. Dr. Klaus Siebenhaar, Direktor des Instituts für Kultur- und Medienmanagement der FU Berlin.

Etat: Zwei Millionen Euro. Hauptfinanzier: China Construction Bank (CCB). Anschubfinanzierung durch das chinesische Kulturministerium.

Information: Eine kostenlose 34-seitige Broschüre gibt es bei der Touristeninformation am Rathaus und am ICE-Bahnhof.

Eintritt frei

Veranstalter der Schau ist das chinesische Kulturministerium, Hauptfinanzier ist die China Construction Bank. Der Etat liegt bei zwei Millionen Euro. Für die Auswahl der Künstler ist ein Dreiergremium verantwortlich. Von chinesischer Seite gehören ihm der Vizepräsident der Pekinger Zentralakademie, Yu Ding, sowie der Leiter des staatliche Künstmuseums, Fan Di’An an. Deutscher Kurator ist Klaus Siebenhaar, Direktor des Instituts für Kulturmanagement an der Freien Universität Berlin.

Es habe keine Einflussnahme bei der Auswahl der Künstler gegeben, sagt Siebenhaar. Viele von ihnen haben im Ausland studiert, einer, Miao Xiaochun, sogar in Kassel. Einige Künstler leben und arbeiten zeitweise im Ausland. Andere lehren an chinesischen Universitäten und Akademien.

Wie heikel die Frage der Kunstfreiheit in China aber dennoch ist, zeigte ein Vorfall am Eröffnungstag: Als beim Ausstellungsrundgang Kasseler Bürger Plakate des in China festgehaltenen Künstlers Ai Weiwei hochhielten, verließ der chinesische Botschafter die Veranstaltung.

Nun lädt die Ausstellung dazu ein, sich eigenes Bild zu machen. Einige Kunstwerke wie der zehn Meter hohe „Transformer“ in der Treppenstraße und der „Fat Man“ an der Neuen Galerie haben in Kassel bereits Berühmtheit erlangt, viele andere sind noch zu entdecken. Auf drei Seiten in dieser Sonntagszeitausgabe bieten wir einen Überblick über die spannende Schau.

Von Werner Fritsch

Die Künstler

Bi Heng (27) stammt aus der Provinz Liaoning. Er studiert in Peking.

Chen Wenling (42) studierte in Xiamen und Peking und wurde mit Skulpturen berühmt.

Chen Zhiguang (49) stammt aus der Provinz Hebei. Er lehrt in Peking und gehört zu den bekanntesten Künstlern Chinas.

Chi Peng (31) studierte und lebt in Peking. Er ist mit Ai Weiwei befreundet und gilt als einer der wichtigsten Fotokünstler

Ding Yi (50) aus Shanghai ist einer der bekanntesten Vertreter der abstrakten Kunst in China.

Feng Jiangzhou/Zhang Lin. Der 48-jährige Feng und seine Frau Zhang (30) sind international bekannte Multimedia-Künstler.

Guan Huaibin (51) studierte in

Hangzhou und Tokio, wo er auch lehrt und beschäftigt sich besonders mit Architektur und Gartenbaukunst.

Liu Liyun (38) stammt aus der Inneren Mongolei. Sie studierte in Peking und in England. Ausstellungen in China und Japan.

Miao Xiaochun (48) studierte in Peking und Kassel Kunst. Er ist Professor für Fotografie und digitale Medien in Peking.

Mou Baiyan (36) stammt aus der Provinz Shandong. Er studierter an der Zentralakademie in Peking, wo er heute lehrt.

Fotos: China-Ausstellung: Eröffnung und Protest

China-Ausstellung in Kassel: Eröffnung und Protest

Shi Jinsong (43) lebt und arbeitet in Wuhan und Peking. Zahlreiche Ausstellungen in China, USA und Europa.

Wang Mai (40) hat keine akademische Ausbildung. Er lebt in als freier Künstler in Peking. Zahlreiche Ausstellungen international.

Wu Daxin (43) studierte in China und Japan. Er lebt und arbeitet in Peking und New York.

Wu Jian’an (32) studierte an der Zentralakademie seiner Heimatstadt Peking, wo er heute lehrt.

Xiang Yang (45) studierte in Peking. Er lebt und arbeitet in New York und Peking.

Xu Jiang (57) studierte in China und Hamburg. Er leitet die China Academy of Arts in Hangzhou.

Xu Junjie (34) studierte an der Zentralakademie Peking und hatte 2011 eine Solo-Ausstellung.

Zhang Jin (44) studierte an der Zentralakademie Peking, wo er heute lehrt. Schwerpunkt: Traditionelle Malerei

Zhan Wang (50) studierte an der Zentralakademie in Peking., wo er heute als Professor lehrt. Zahlreiche Ausstellungen, darunter Shanghai Biennale 2000.

Zhu Pei (50) studierte in Peking und Berkeley, Kalifornien. Der Architekt und Designer betreibt ein bekanntes Studio in Peking.

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