„Kunst trotz(t) Handicap“: Werke Behinderter und Nicht-Behinderter in der documenta-Halle

Beeindruckend: Stephan Kramer fertigte mehr als tausend „Selbstporträts zur Dämonenbändigung“. 70 sind in der documenta-Halle zu sehen. Foto: Polk

Kassel. Wie mögen sie ihn geplagt haben, die bösen Geister? Mehr als tausend großformatige „Selbstporträts zur Dämonenbändigung“  malte Stephan Kramer. 70 davon bedecken in der Ausstellung in der documenta-Halle eine Fläche von 9,80 mal 5 Metern.

Der 2015 verstorbene Maler und Zeichner gehört zu einer Gruppe von rund 70 Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke in der Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ in der documenta-Halle zu sehen sind. Die Exponate stammen von Menschen mit und ohne Behinderung, quasi als Zeichen für Inklusion. Diese dem Publikum und der Bevölkerung anhand von Kunstwerken näherzubringen, hat sich die Diakonie Deutschland mit der Wanderausstellung auf die Fahnen geschrieben.

Wer die Ausstellung besucht – was ihr trotz mangelhafter Pressearbeit seitens der Initiatoren zu wünschen ist –, kann eine Gemeinsamkeit zwischen fast allen Kunstwerken feststellen. Egal ob sie von Kunstschaffenden mit Handicap oder Behinderung, mit oder ohne kunstakademischer Ausbildung stammen oder ob sie Werke renommierter Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunstszene sind: Sie setzen sich mit Randbereichen und Grenzerfahrungen des menschlichen Seins auseinander.

Ein Gang entlang der Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen konfrontiert den Betrachter nicht nur mit dem, was den Erschaffer des Kunstwerkes beschäftigt. Er rührt auch an den eigenen Empfindungen und Dämonen, die er aus dem Alltag verdrängt zu haben glaubte und für deren Bändigung wohl nicht immer das Fertigen eines Selbstporträts das geeignete und vor allem verfügbare Mittel wäre. Also bleibt, sich den Spiegel für eine Welt vorhalten zu lassen, deren Teil er ist. Das geschieht mit verblüffenden und anrührenden Werken, mit Objekten, die provozieren, nachdenklich machen oder einfach nur schön sind.

Mal sind es Inhalte, dann wieder die herausragende Technik, die an den Werken faszinieren. Zu sehen sind neben Acryl- oder Ölmalerei, Bronze- und Holzskulpturen, Zeichnungen und Fotografien auch Nähmaschinenbilder oder Strickobjekte und Videoinstallationen.

Große Bandbreite

Die große Bandbreite an Darstellungsformen und die unterschiedlichen Themen ergeben einen beeindruckenden Facettenreichtum. Und sie tauchen den Betrachter in ein Wechselbad der Gefühle, weil man sich gerade noch hat einlullen lassen von leuchtenden Farben und tröstenden Botschaften der Liebe, um an der nächsten Wand dem nächsten Dämon gegenüberzustehen.

Kurator Andreas Pitz hat die Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ als Wanderausstellung konzipiert. In Kassel wird sie ergänzt durch Werke der „KunstGefährten“, einen Zusammenschluss von Ateliers und Kunstprojekten, die in diakonischen Einrichtungen in Hessen arbeiten.  Bis 18. September, documenta-Halle, Friedrichsplatz 18, Mo bis Sa 13 bis 19, So 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei.  Zur Ausstellung wird ein Rahmenprogramm angeboten: www.kunst-trotzt-handicap.de

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