Kunst unter dem grünen Hügel: Das neue Frankfurter Städel

Gegen den Städel-Neubau verblasst sogar die Skyline: Ein Teil der 195 Bullaugen, die Licht in das Museum werfen. Foto: Miguletz /nh

Frankfurt. Von einer Himmelstreppe sprechen begeisterte Betrachter und von wolkiger Landschaft. Doch führt die Treppe nicht hinauf, sondern hinab unter die Erde des Städel-Gartens am Frankfurter Museumsufer, hinein in den spektakulären Neubau der Mainmetropole.

Unter geschwungenem, von 195 kreisrunden Bullaugen durchbrochenem Grün draußen erstreckt sich drinnen eine 3000 Quadratmeter große Erweiterung der Kulturinstitution, deren älteste Exponate aus dem Mittelalter stammen.

Nun können der umtriebige Städel-Direktor Max Hollein und Kurator Martin Engler erstmals auch 330 Werke der Gegenwartskunst nach 1945 präsentieren. Werke wie Anselm Kiefers „Argonauten“, Ernst Wilhelm Nays „Rotklang“ und Georg Baselitz´ „Kopf“ gehören längst zum Städel; die opulente Auswahl indes wurde möglich durch Dauerleihgaben der Unternehmenssammlungen der Deutschen Bank und der auf Fotografie spezialisierten DZ Bank.

Zu verdanken ist das neue unterirdische Museum neben der öffentlichen Hand einem beispiellosen bürgerschaftlichen Engagement, ganz in der Tradition des Museumsgründers Johann Friedrich Städel: Er hatte den Bürgern der Stadt 1815 seine Kunstsammlung und sein Vermögen gestiftet, dass die Sammlung sich vermehre. 26 Millionen Euro, die Hälfte der Gesamtkosten für den Neubau und die umfassende Sanierung des Altbaus, haben Unternehmen, Stiftungen, private Mäzene und Tausende Kleinspender finanziert.

So spektakulär der grüne Hügel des Frankfurter Büros schneider+schuhmacher ist, so zurückhaltend präsentiert sich die Architektur innen, ganz im Dienst der Kunst. Besagte 195 Oberlichter tauchen die Halle mithilfe zusätzlicher insgesamt 8350 LED-Leuchten in ein angenehmes, gleichmäßiges Licht. Der geschwungene Himmel, bis zu acht Meter hoch, schwebt gleichsam über dem Betrachter, denn die ganze Halle ruht im Inneren auf gerade einmal zwölf Stützen.

Das erlaubt eine höchst flexible Ausstellungsarchitektur, die das Berliner Büro Kuehn Malvezzi verantwortet: Ein offener Parcours durch weiße, kleine und größere Kabinette, der stets in die großräumige Mitte der Halle führt und immer neue Blickachsen öffnet. Für den Besucher ist dies die Chance, sich auf eigenen Wegen der Gegenwartskunst zu nähern.

Neben Werken prominenter Künstler wie Gerhard Richter, Joseph Beuys und Rosemarie Trockel sind auch weniger Bekannte wie die des Dresdeners Hermann Glöckner (1889-1987) anzuschauen. Seine zarten Seidenpapierstreifen auf schwarzem Grund neben dem Treppenabgang sind die erste Entdeckung, die den Besucher in dieser großartigen Ausstellung empfängt.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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