Lotte Dietmar, Stefan Gebhardt und Frederick Vidal in der Warte für Kunst

Kunst des Zusammensetzens

Stellen in der Warte für Kunst aus: (von links) Stefan Gebhardt, Lotte Dietmar und Frederick Vidal. Hund Fea trägt einen rosa Streifen, ein Gruß an documenta-13-Künstler Pierre Huyghe. Foto: De Filippo

Kassel. Das Material für Lotte Dietmars Kunst lag buchstäblich auf der Straße. Vor einiger Zeit fand sie einen Stapel mit Naturmagazinen. „Zu verschenken“ stand darauf - und die Kasseler Künstlerin griff zu. Zum Glück. Denn die Fotografien von Tieren und Pflanzen inspirierten sie zu eindrucksvollen Bildcollagen.

Unter dem Titel „Nachhall“ stellt Dietmar derzeit zusammen mit Stefan Gebhardt und Frederick Vidal in der Warte für Kunst aus. Die drei Künstler kennen sich vom Studium an der Kasseler Kunsthochschule, haben bereits vor zwei Jahren ein gemeinsames Projekt realisiert. Auch ihre Arbeiten weisen erstaunliche Parallelen auf.

Lotte Dietmars Collagen wirken auf den ersten Blick wie Gemälde. Betrachtet man sie aus der Nähe, werden kleine Fotoschnipsel sichtbar, die die Künstlerin Schicht für Schicht über- und aneinanderklebt. Hier und da sind Elemente aus der Natur zu erkennen: mal eine Schlangenhaut, mal Meerestiere. In den filigranen Bildcollagen, die in Insekten-Schaukästen präsentiert werden, sind sie jedoch nur winzige Puzzleteilchen in einem effektvollen Ganzen.

Das größte ausgestellte Werk, 1,30 mal 1,80 Meter, dokumentiert die künstlerische Arbeitsweise von Stefan Gebhardt. Der gebürtige Thüringer trägt bei seinen Bildern stets viele Farbschichten übereinander auf. Anschließend kratzt er das Material wieder von der Leinwand, sodass lediglich bestimmte Strukturen stehen bleiben.

In der Warte für Kunst zeigt Gebhardt eine Collage, die aus jenen abgekratzten Farbresten entstanden ist. Es sind Relikte von etwa 30 anderen Kunstwerken, die nun ein eigenständiges Bild ergeben - farbenfroh und voller Energie.

Malerisch wirkt eine Fotografie von Frederick Vidal. Sie zeigt die fleckige Oberfläche einer Platane, die jemand mit einem Graffito versehen hat. Für den Fotokünstler ist das ein fertiges, abstraktes Bild, das er lediglich abfotografiert. „Mensch und Natur haben gemeinsam daran gearbeitet, das finde ich spannend“, sagt er.

Faszinierend ist auch Vidals aktuelles Projekt, bei dem er Insekten fotografiert. Mit einer hellen Lampe lockt er sie nachts im Freien auf ein weißes Laken. Die so entstandenen Bilder sind zufällige Arrangements von Motten, Faltern und Hornissen - und erstaunlich ästhetisch.

Bis 9. Juli in der Warte für Kunst, Frankfurter Straße 54, geöffnet täglich ab 17 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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