Zeichnungen von Friederike Lorenz sind in der Warte für Kunst zu sehen

Die Kunst des Zweifelns

Lakonisch und leicht: Friederike Lorenz in der Warte für Kunst. Foto: Fröhlich

Kassel. Friederike Lorenz ist eine Meisterin des Understatements. „Hoffentlich wird’s nicht wieder so langweilig“, steht auf einem gerahmten Blatt Papier. Nichts sonst. Und auf einem anderen: „es sieht zwar nicht so aus, aber es gibt so Tage“, darüber ein filigran gezeichnetes Gitter aus parallel laufenden Linien, deren Gleichmaß langsam aus dem Ruder zu laufen scheint.

„Ich wollte ein Netz schaffen, und es sollte möglichst perfekt sein. Aber je höher die Erwartung, desto eher wird sie vielleicht enttäuscht“, sagt Friederike Lorenz über diese großformatige Tuschezeichnung. Und letztendlich sei es ja auch das, was sie an ihrer künstlerischen Arbeit interessiere: „Dass etwas nicht funktioniert.“

Vielen der Bilder, die zurzeit in der Warte für Kunst zu sehen sind, ist ihr Entstehungsprozess eingeschrieben. Die Bewegungen des Stiftes oder Pinsels haben etwas Suchendes; geschriebene Sätze werden durchgestrichen, sind aber immer noch lesbar. So auch die Zeile, der die Ausstellung ihren Titel verdankt: „nach wie vor“ - der vorsichtige Versuch einer Bestandsaufnahme. „Die Texte kommen aus meinem alltäglichen Leben, sind aber so allgemein, dass sie nicht nur auf meine Situation bezogen funktionieren.“

Obwohl ihre Arbeiten immer wieder um die eigenen Zweifel und um die Möglichkeit des Scheiterns kreisen, wirken sie nie wehleidig und vergrübelt, sondern leicht, lakonisch, oft tragikomisch. Wer sich einmal auf diese zunächst so einfach wirkenden Bilder und Texte eingelassen hat, dem kann es passieren, dass er sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Bis 20. April, Warte für Kunst, Frankfurter Str. 54, Di. und Do. sowie 1. Sa im Monat, 16-19 Uhr, und nach Vereinbarung.

Von Fabian Fröhlich

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