Kunsthalle Fridericianum: Pfeffer will Grenzen der Kunst austesten

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Herzlich willkommen: Susanne Pfeffer (links), hier beim Kennenlerntermin im April mit documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld und Dr. Dorothee Gerkens, Leiterin der Neuen Galerie.

Kassel. Künstlernamen verriet sie noch nicht. Nur, dass sie für ihre Premiere im Fridericianum Ende August eine Ausstellung plant, „wie ich sie in dieser Form noch nie gemacht habe“.

Sie wolle immer „Neues versuchen“, sagte Susanne Pfeffer, Leiterin der Kunsthalle, die Radikalität von Künstlern ermöglichen und zulassen: „Das Risiko des Scheiterns muss man eingehen.“

Das documenta-Forum hatte die 1973 in Hagen geborene Kunsthistorikerin eingeladen, am Dienstagabend zu Beginn ihrer Kasseler Tätigkeit über ihr kuratorisches Selbstverständnis zu sprechen. Dirk Schwarze moderierte. Über 60 Zuhörer zeigten sich neugierig auf das, was Pfeffer als Leiterin der Kunstwerke in Berlin getan und was sie in Kassel vorhat.

Nicht nur viele Künstler, die Pfeffer bislang gezeigt hat, sind in Kassel durch die documenta und Rein Wolfs’ Ausstellungen bekannt - ob Cyprien Gaillard, Geoffrey Farmer, Ceal Floyer, Renata Lucas oder Iñigo Manglano-Ovalle. Pfeffer knüpft offenbar in vielfacher Hinsicht bei ihrem Vorgänger an, der im März die Intendanz der Bundeskunsthalle in Bonn übernommen hat. Auch sie arbeitet intensiv mit Künstlern (bei 50 Ausstellungen sei es nur zweimal „menschlich nicht so toll gelaufen“), lässt Arbeiten eigens produzieren, testet die Grenzen der Kunst aus, fragt, was Ausstellungen leisten können und sollen, wie Kunst rezipiert und auch physisch erfahrbar wird.

Es gebe Kuratoren, sagte Pfeffer, die„für den Lebenslauf oder andere Kuratoren“ ausstellen. Sie ziele auf die Besucher vor Ort, ein in Kassel sehr erfahrenes, offenes Publikum, wie man an den experimentellen, radikalen Ausstellungen von Wolfs gesehen habe: „Das kann man nicht in jeder Stadt machen.“ Auch dass sie jetzt einen Etat für Kunstvermittlung und Begleitprogramme hat, freut Pfeffer: „Ich glaube an die Kraft der Kunst, an die Veränderbarkeit des Handelns, Denkens und Fühlens.“

„Alles, was visuell ist, ist interessant“, findet Pfeffer. Ihre Ausstellungen sollten jeweils aufeinander reagieren. Also hat sie in den Kunstwerken Vorspänne von Kinofilmen (inklusive Popcorn-Verkauf) ebenso gezeigt wie klassisch präsentierte Gemälde. Und so, wie man im Konzert das Rascheln des Nachbarn nie ausblenden könne, ist für sie der Gesamteindruck des jeweiligen Raums wichtig. Deshalb hat sie in Berlin aufwendige Umbauten vornehmen, etwa Teppichboden verlegen lassen, damit man in die Welt eines Künstlers eintauchen kann, um Werke optimal zur Geltung zu bringen.

Als Kontrast gab’s dann eine Schau wie „5 Minutes later“ mit lauter Arbeiten, die in fünf Minuten geschaffen wurden. Das Fridericianum habe nun eine andere „Grandezza und Weitläufigkeit“ als die in einer ehemaligen Margarinefabrik angesiedelten Kunstwerke.

In Kassel erstaunt Pfeffer auch die Freundlichkeit, ob im Supermarkt oder beim Tabak- kaufen. In Berlin sei der Umgang miteinander „degeneriert“, zurzeit werde sie ganz oft angestrahlt: „Das genieße ich gerade.“

Von Mark-Christian von Busse

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