Malerdorf in der Schwalm

Kunsthalle Willingshausen vor dem Aus?

„Erntearbeiterinnen“: Leihgabe des Universitätsmuseums Marburg für die aktuelle Wilhelm-Thielmann-Ausstellung in Willingshausen. Foto: nh

Willingshausen. Wie geht es weiter mit der Kunst im Malerdorf in der Schwalm? Die Leiterin der Kunsthalle jedenfalls muss nach HNA-Informationen zum Jahresende aufhören.

Am Sonntag geht in Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis) die schöne Ausstellung „Erzählungen vom Menschen“ mit Werken von Wilhelm Thielmann (1868-1924) zu Ende.

Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, aus welchem reichen Fundus eine der ältesten Künstlerkolonien Europas schöpfen kann. Mit einem Stipendium für junge Künstler - am 28. November eröffnet die 39. Stipendiatin, Romina Abate, ihre Ausstellung - wird diese Geschichte klug mit der zeitgenössischen Kunst verknüpft. Derzeit allerdings sieht es aus, als könnte die komplizierte Konstruktion (siehe Hintergrund) wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Die halbe Stelle von Kunsthallen-Leiterin Kati Werkmeister läuft aus, eine Verlängerung ist nicht in Sicht.

Kati Werkmeister

Das Thema ist empfindlich, manche Äußerung soll nicht mit Namen in der Zeitung stehen. Auch im Umfeld der Thielmann-Ausstellung hat es mächtig geknirscht. Ursprünglich wollte sie Bernd Küster kuratieren. Der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel hat während seines Kunstgeschichts-Studiums in Marburg Willingshausen entdeckt, inzwischen sogar das Haus Thielmanns erworben, drei hochkarätige Ausstellungen eingerichtet - und sich dann wieder aus dem Vorstand der Vereinigung Malerstübchen zurückgezogen. Eine von Küster favorisierte Kandidatin für den Vorsitz fiel durch, Vorstandschef Helmut Geißel blieb im Amt.

Bei der Thielmann-Eröffnung war, auch in Geißels Begrüßung, Trotz spürbar: Wenn - so wörtlich - der „große Häuptling, der hier angetanzt kam“, mit seinem professoralen Rat wegbleibt, schaffen wir es eben allein, auch ohne Museums-Leihgaben. Die Ehrenamtlichen fühlten sich von Küster vor den Kopf gestoßen.

Küster bleibt dabei, dass auf Dauer ein Professionalitätsschub fürs Malerstübchen nötig sei: „Guter Wille reicht nicht. Ohne fachliche Begleitung und dauerhafte Förderung von außen wird es nicht funktionieren.“ Das sieht der Hessische Museumsverband genauso. Ohne ein zukunftsträchtiges, fachlich stimmiges Museums- und Ausstellungskonzept, so Geschäftsführer Rolf Luhn, wird kein Geld mehr nach Willingshausen fließen.

Da mutet es widersinnig an, dass Kunsthistorikerin Werkmeister, die auch mit einem vom Verband finanzierten Werkvertrag die Inventarisierung des Malerstübchens vorgenommen hat, vermutlich zum Jahresende aufhören muss. Sie selbst sieht ihre Aufgabe längst nicht als erfüllt an, sondern noch viel Potenzial, und freut sich über Unterstützung im Ort. Das Stipendium betrachten sowieso alle als Erfolgsgeschichte.

Werkmeister sagt aber auch: „Die Kunsthalle funktioniert nur, wenn man nicht alles komplett auf ehrenamtliche Füße stellt.“ Bürgermeister Heinrich Vesper sieht trotzdem alles „auf einem guten Weg“, wenngleich einem „Weg der kleinen Schritte“ - auch weil die bauliche Erweiterung des Malerstübchens, die das Parlament schon mal abgeschmettert hatte, nun kommen soll. „Wir müssen nur sehen, wie wir das personell auf den Weg bringen.“ Am besten wäre, sagt Vesper, die Gemeinde würde einfach im Lotto gewinnen.

Hintergrund

Die 2005 errichtete Kunsthalle ist ein Anbau des Gerhardt-von-Reutern-Hauses, in dem unter anderem die Vereinigung Malerstübchen ihren Sitz hat. Eigentümerin ist die Gemeinde, betrieben wird sie von der Willingshausen Touristik Betriebsgesellschaft (WTB). Mehrheitsgesellschafter ist mit 51 Prozent wiederum die Gemeinde, ebenfalls beteiligt: Malerstübchen, Heimat- und Verschönerungsverein sowie der Gewerbeverein. WTB-Geschäftsführerin und Leiterin der Kunsthalle ist Kati Werkmeister. Das Stipendium tragen die Sparkassen mit ihrem Kulturengagement, Kreis und Kommune. Malerstübchen und WTB richten abwechselnd Ausstellungen aus.

Die aktuelle Ausstellung

Wilhelm Thielmann, der 1897 erstmals nach Willingshausen kam, wird in der aktuellen Schau als hervorragender Porträtist vorgestellt, der seine Künstlerkollegen in der Geselligkeit des Malerdorfs, seine Familie und die Dorfbewohner mit ihren Trachten und Traditionen mit großem Einfühlungsvermögen festhielt. Thielmann ist der einzige Maler, der sich dauerhaft in der Künstlerkolonie in der Schwalm niederließ: Er war mit den Abgebildeten eng vertraut. Zu sehen sind einige Werke aus dem Nachlass zum allerersten Mal. Geöffnet heute und morgen 10-12/14-17 Uhr.

Von Mark-Christian von Busse

www.kuenstlerkolonie.eu

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