Mozarts „Don Giovanni“ wird in der Bad Hersfelder Stiftsruine effektvoll inszeniert

Mit Kunstnebel zur Hölle

Kunst der Verführung: Vitaly Yushmanov (Don Giovanni) und Sara Mengs (Zerlina). Foto: Heinemann

Bad Hersfeld. Leporello hat hier tatsächlich einen Leporello. In seiner Registerarie listet Don Giovannis Diener sämtliche Affären des international operierenden Frauenhelden auf. Baronessen, Bauernmädchen, Blonde, Brünette - sie alle hat Don Giovanni schon rumgekriegt. Als Leporello dies der armen Donna Elvira darlegt, baumelt ein riesiges Faltbuch von oben herab. Ein Leporello eben, wie man faltbare Hefte in Anspielung auf den penibel Buch führenden Diener nennt.

Es ist ein naheliegender wie neckischer Einfall des Regisseurs Heinz Lukas-Kindermann bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen. Mozarts „Don Giovanni“ wird konventionell, doch gekonnt in Szene gesetzt.

Für den starken optischen Eindruck sorgt vor allem die Kulisse der Stiftsruine. Besonders imposant, wenn Lichteffekte Blitze schleudern. Auch die kunstvolle Tanzszene, in der Mozart Menuett, Kontertanz und Deutschen Tanz gleichzeitig erklingen lässt, ergibt ein apart in den Raum gezaubertes Bild. Der metaphysische Schauer von Don Giovannis Höllenfahrt passt ohnehin gut hierher. Aber alles halb so schlimm: Mit flotten Damen entsteigt der ewige Womanizer am Ende der Luke, aus der zuvor höllischer Kunstnebel aufgestiegen ist.

Fast drei Stunden, ohne Pause, dauert die etwas gekürzte Oper. Dirigent Prof. Siegfried Heinrich animiert die Virtuosi Brunensis zu einem warmen Mozartton. Revolutionäres sollte man nicht erwarten.

Es wird Deutsch gesungen - ein Nachteil, wenn bei Leporello (Leszek Solarski) ein kräftiger Akzent zu bemerken ist. Die beste Darbietung kommt von Anli Sasaki, die als Donna Anna starke Emotionen und technisches Geschick mitbringt. Maria Gessler (Donna Elvira) steht ihr an Dramatik um nichts nach, überzeugt aber nicht restlos bei den hohen Tönen. Mit ihrer hellen, leichten Stimme ist Sara Mengs ein anmutiges Bauernmädchen Zerlina. Young-ho Jeong gibt einen imposanten Komtur.

Und der Titelheld? Vitaly Yushmanov laborierte bei der Premiere an einer Erkältung. Schade, denn der junge Russe lässt durchaus vokale Eleganz erkennen. Freundlicher Beifall in der nicht ganz ausverkauften Stiftsruine.

Wieder am 13., 15., 17., 19. und 21. August. Kartentelefon: 06621-506713.

Von Georg Pepl

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