Das StadTheater spielte „Irrungen Wirrungen“ von Theodor Fontane

Ein kurzes Spiel über die Liebe

Liebevoll-stille Inszenierung: Näherin Lene Nimptsch (Kerstin Gasch) und Kürassieroffizier Baron Botho von Rienäcker (Stefan Marx) in „Irrungen Wirrungen“ vom StadTheater. Foto: Malmus

KASSEL. Es ist dieses Ahnen in den Augen, das plötzliche Innehalten und Verweilen, das mutige Vorausschauen von Lene, welches den Handlungsfluss sensibel vorwärts treibt, dem zwangsläufigen Ende entgegen. Ein kurzes Stück über die Liebe, ihre „Irrungen Wirrungen“, wurde so zu einem Kammerspiel nach dem Roman von Theodor Fontane. Im Dock 4 hatte es jetzt Premiere.

Regisseur Peter Manteuffel vom StadTheater stattete die Bühne mit nur wenigen Requisiten aus, ließ mal ländliches Ambiente, mal das pommersche Gut der von Rienäckers entstehen. Mit kurzen Szenen, durch Musikpassagen und dem Sound vom fließenden Wasser verbundenen Bildern, entwickelt er so die unstandesgemäße Liebesgeschichte zwischen der jungen Lene und dem Baron von Rienäcker.

Kerstin Gasch und Stefan Marx verleihen den beiden Fontane-Figuren inneren Halt, geben Seelenlandschaften mit feinem Zugriff ein Profil. Inseln des Glücks sind das, wenn er seinen Kopf auf ihren Schoß legt, träumend, schwärmend, wenn beide auf dem See rudern. „Du liebst mich, und du bist schwach“, sagt sie zu ihm, und später tanzt Lene mit wirrem Haar entfesselt gegen ihr Ahnen an. Die Schauspieler schlüpfen in unterschiedliche Rollen, deuten das Gefüge einer Gesellschaft im Berlin von 1875 an. Hintergründe werden so ausgemalt, die von Regisseur Manteuffel mit komödiantischen Untertönen versehen werden. Am Ende steht die standesgemäße Heirat des Barons mit Käthe von Sellenthin.

Die Liebe geht oft falsche Wege. Wie hier Milieu und Erziehung das Leben beeinflussen, erschließt „Irrungen Wirrungen“ dann doch ein wenig für die Jetzt-Zeit. Viel Applaus für die jungen Schauspieler und eine liebevoll-stille Inszenierung.

Von Juliane Sattler

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