Kuscheln nach dem Orkan: Max Prosa im Kulturzelt

Noch ein Junge mit einer Gitarre: Der Berliner Max Prosa im Kulturzelt. Foto: Malmus

Kassel. Von wegen Wuschellocken und Kuschelrock. Der schlaksige Junge mit dem braven Gesicht hat’s faustdick hinter den Ohren. Zumindest wenn er auf der Bühne steht, gibt’s für ihn kein Halten mehr.

Der coole 22-jährige Berliner kam am Samstagabend nicht als laues Singer-Songwriter-Rock-Pop-Lüftchen übers Publikum im gut gefüllten Kasseler Kulturzelt, sondern eher als starke Brise, zuweilen sogar mit Orkanböen. Er stürmt einfach los mit seinen Songs, sperrig, alles andere als gefällig in einer krachend-fordernden Neo-Folk- Ästhetik.

„Die Phantasie wird siegen“ heißt sein erstes Studioalbum, in dem der hochgelobte Senkrechtstarter auch weitaus gebändigter erscheint als nun auf der Bühne, wo er auf so manch einen im Publikum zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, bisweilen anstrengend wirkt. Nichts zum gemütlich Zurücklehnen und Genießen, schwer zum Mittanzen, aber immer zum Staunen über solch einen energiegeladenen Balanceakt irgendwo zwischen Wut und Mut, Trauer und Trost. Zwischendurch gibt’s Momente zum Aufatmen, das „Lied von Marie“, „Mein Kind“ im Dreivierteltakt, oder ein Lied von den gebrochenen Thekenhelden im „Café noir“, die mit ihren zerbrochenen Träumen am Tresen ihr Leben vertrinken.

Schöne, poetische Texte hat er da, der Max Prosa, für die es sich lohnt, ganz genau hinzuhören. „Hab gehofft, dass man den Dingen ihren Zauber lassen kann, dann war alles voller Zauber, und wir kamen nicht voran.“ Umgeben von seiner heftig, aber exzellent aufspielenden Band schimmern im rauen Singsang dieses Rohdiamanten auch immer wieder wunderbare Harmonien.

„Als der Sturm vorbei war, konnt ich die Sonne wieder sehn“ heißt ein Song. Und genau als der Orkan Max sich gelegt hatte, kam sein alter Bekannter und Publikumsliebling Clueso noch als Schmankerl auf die Bühne. Letztes Jahr noch als Support bei dessen Tour, stehen sie nun einträchtig nur mit Gitarre und Mundharmonika nebeneinander und geleiten das begeisterte Publikum musikalisch „Bis nach Haus“. Also doch noch ein Ende zum Kuscheln.

Von Ullrich Riedler

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