Jubel für Klaus Florian Vogt

Hans Neuenfels’ „Lohengrin“ überzeugt mit differenzierter Personenregie

Glück ist hier nicht möglich: Annette Dasch (Elsa) und Klaus Florian Vogt (Lohengrin). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Bayreuth. Die Liebe? Eine Zumutung. Sich dem Partner wirklich hinzugeben, ihn auszuhalten mit seiner nie ganz zu begreifenden Persönlichkeit: Wer ist dem schon gewachsen? Auch im dritten Jahr überzeugt Hans Neuenfels’ Inszenierung von Richard Wagners „Lohengrin“ in ihrer konsequent psychologischen Deutung.

Sie ist aktuell die Bayreuther Produktion mit der differenziertesten Personenregie.

Neuenfels verlegt die Handlung in ein von Ratten bevölkertes Versuchslabor (Bühne und Kostüme: Reinhard von der Thannen). Nach dem Aufsehen, den das spektakuläre Pfötchengetrappel anfangs erzeugt hat, tritt dieses Setting nun stärker in den Hintergrund und ermöglicht desto mehr die Konzentration auf die Konflikte. Gags wie Trickfilme und herzig gemeinte Rattenkinder scheinen demgegenüber verzichtbar.

Die Geschichte um Schwanenritter Lohengrin, der Elsa vor Telramunds Machtanspruch rettet und sie unter der unerfüllbaren Bedingung heiratet, dass sie seine Geheim-Identität akzeptiert, führt bei Neuenfels in düstere Verzweiflung. Schon in der Ouvertüre wechselt der überirdisch-lichtvolle Klang im differenzierten, aber nie soghaften Dirigat von Andris Nelsons ins Fahle.

Mit überwältigendem Jubel ist die Premiere am Freitag aufgenommen worden, dazu wenige Buhs für die Regie. Beifallsstürme bekam der von Eberhard Friedrich geleitete Chor.

Annette Dasch lässt ihre Elsa mit einer zu Herzen gehenden Leidenschaft derartig am Rand der Überforderung balancieren, dass selbst Glücksmomente ihr keinen Frieden gewähren. Daschs wie aus Gold schimmernder Sopran leuchtet von Aufzug zu Aufzug mehr. Die neu verpflichteten Susan Maclean und Thomas J. Mayer als Ortrud und Telramund überzeugen mit bester Textverständlichkeit. Samuel Youn, der aktuell auch den „Holländer“ singt, verleiht dem Heerrufer noch mehr Gewicht als im Vorjahr. Wilhelm Schwinghammer macht Heinrich zum Kasperltheater-König, den die Labor-Aufseher stets in der Gewalt haben.

Und Bayreuth-Star Klaus Florian Vogt weiß natürlich, dass er Deutschlands derzeit genialster Lohengrin-Sänger ist. Vollkommen unangestrengt und weich fließt sein heller Tenor, dem er beim „Nie sollst du mich befragen“ heldische, dunklere Akzente zufügt. In der Gralserzählung, die das Publikum noch stiller lauschen ließ als ohnehin, moduliert er aus sanfter Innigkeit zu zwingendem Forte. Allein in der Bühnenmitte stehend, erliegt er aber nie der Versuchung, zu renommieren, sondern behält eine respektvolle Bescheidenheit.

Von Bettina Fraschke

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