Lachen mit Heinz Erhardt über Fips und Made

Voller Ehrfurcht vor dem Original: Annika Zaich und Thorsten Hamer – immer unter dem Porträt von Heinz Erhardt. Foto: Malmus

Kassel. Eine Heinz-Erhardt-Revue brachten Thorsten Hamer und Mitglieder der Kammeroper Köln in der Kasseler Stadthalle zur Aufführung. Ein kurzweiliger Abend.

Kassel. Die anhaltende Popularität von Heinz Erhardt ist ein Phänomen. 37 Jahre ist der Komödiant tot, aber viele seiner Filme, Songs und Gedichte sind unvergessen. Über 700 Besucher sorgten Mittwochabend für eine beeindruckende Kulisse in der Stadthalle, wo Thorsten Hamer und Mitglieder der Kammeroper Köln mit einer Heinz-Erhardt-Revue gastierten. Viele Gäste konnten die Erhardt-Verse mitsprechen.

Dessen Beliebtheit ist erstaunlich, auch weil sich seine Witze an Begriffen wie Dickmamsell, Hausfreund oder Schillerlocken entzünden, die Jungfräulichkeit vor der Ehe ein großes Thema ist. Der aus heutiger Sicht eher betulich-biedere Humor ist himmelweit entfernt vom Brachialhumor vieler Comedians. Selbst klassische Literatur wie der „Erlkönig“ und „Wilhelm Tell“ wird zum Bühnenthema („das war ein Freiheitsheld, der hat auf Obst geschossen“). Aber vermutlich gerade „diesohalb und dererwegen“, wie Erhardt formulieren würde, als Kontrastprogramm zum aktuellen Bühnen- und TV-Geschehen, begeistern seine Späße vom Ritter Fips, dem Mundschmiss (Maulwurf) und der Made.

Zumal Erhardts Sprachspiele einmalig bleiben. Thorsten Hamer als sein Alter ego, vornüber gebeugt, Beine gekrümmt, Arme schlenkernd, brachte den Sprachwitz, die Freude an Nuancierungen und Reimen gekonnt rüber – mit winzigen Verschiebungen der Tonlage ergibt sich neuer Sinn: „Was sollen denn die Leute denken?“ Vorwurfsvoll ans Publikum gewandt: „Was denkt ihr euch eigentlich?“ Oft serviert Erhardt Frechheiten quasi hinterrücks, listig in der letzten Zeile eines vermeintlich harmlosen Gedichts.

Leider litt der erste Teil des mit Pause über zweieinhalbstündigen, kurzweiligen Programms unter einer übersteuerten, zu lauten Soundeinstellung. Da musste mancher Besucher, um es nochmal mit Erhardt zu sagen, die „Stirn fletschen und die Zähne runzeln“.

Songs wie „Pack die Badehose ein“ und „Junge, komm bald wieder“ sorgten für 50er- und 60er-Jahre-Flair. Auch aktuelle Seitenhiebe gab es – den Vierzeiler „Zelle“ widmete Hamer Uli Hoeneß. Pianist Andreas Maier leistete Schwerstarbeit wie der hüpfende, tanzende Hamer, obwohl der lästerte: „Keiner sitzt so schön rum wie Sie!“ Als Sängerin und Sketchpartnerin glänzte Annika Zaich, Fedi Peters und Dimitri Vassiliadis (er vor allem bei Heintjes „Mama“) standen da etwas zurück.

Doch am meisten Applaus gebührte dem Original, der in einem riesigen Bild immer präsent war: Heinz Erhardt.

Von Mark-Christian von Busse

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