Ein Porträtkonzert zu Ehren des Komponisten Dieter Schnebel in der Universität

Lachen, Hüpfen, Seufzen

Meister der Avantgarde: Dieter Schnebel zu Gast im Institut für Musik. Foto:  Fischer

Kassel. Man setzt einen Komponisten nicht herab, wenn man seine Hausheiligen nennt: Bei Dieter Schnebel (82), dem Altmeister der musikalischen Avantgarde, gehören so gegensätzliche Charaktere wie der Romantiker Franz Schubert und der radikale Avantgardist John Cage dazu. Eine ungeheure Spannbreite, die auch beim Porträtkonzert zu Ehren des Komponisten im Institut für Musik der Kasseler Universität erlebbar wurde.

Der lapidare, Musik mit Aktion vermischende Schnebel kam beim Vorspiel im Foyer zur Geltung: Teller, Flaschen und Besteck eines gedeckten Tisches werden in der Bauernszene aus seinen „Museumsstücken“ zu Klangerzeugern, die aufführenden Studierenden setzten ihre Stimmen nicht zum Singen, sondern zum Lachen ein. Wie John Cage in vielen Werken konfrontiert auch Schnebel das Publikum auf humorvolle Weise mit der Frage, was es als Musik anzunehmen bereit ist.

Da die Sängerin Mechthild Seitz erkrankt war, musste das Programm vor 60 Zuhörern umgestellt werden. Statt der Lieder auf Texte von Marie Luise Kaschnitz, Schnebels Schwiegermutter, führte Hellmuth Vivell drei Bagatellen für Klavier (und Stimme) auf. „visible music II, nostalgie“ heißt eine musikalische Pantomime für einen Dirigenten, die Volker Schindel vorspielte.

Schubert-artige Gesten von Sehnsucht und Leere konnte man in Schnebels Streichquintett „Sonanzen“ (2010) entdecken, das vom Tonträger eingespielt wurde. Es ist auch in der Besetzung mit zwei Celli eine Hommage an Schubert. Dass Schnebel Musik als ein Produkt psychischen Geschehens versteht - und sich doch wünscht, ihr möge auch ein göttlicher Funke innewohnen - kam in zwei Redebeiträgen des Komponisten zum Ausdruck.

Am Ende gab’s viel Beifall und als Zugabe das sportlich-musikalische „Poem für einen Springer“, wunderbar performt von Marcel Quappen.

Von Werner Fritsch

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