Comedian zu Gast in Stadthalle

Lachen als Therapie: Kabarettist Dieter Nuhr in Kassel

Zuletzt bekam er hier den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache, nun wurde erneut gelacht: Kabarettist Dieter Nuhr in der Kasseler Stadthalle. Foto: Zgoll

Kassel. „Nein, ein Kabarettprogramm ist das heute nicht“, stellt Dieter Nuhr gleich zu Beginn klar. Schlaksig schlurft er auf die Bühne, leger bekleidet mit T-Shirt und Jeans und blättert in seinem Skript wie ein Lehrer, der die Klassenarbeiten verteilen möchte.

„Therapeutische Effekte“ will er an diesem Abend erzielen. „Wachrütteln, weil alle immer nur am Nörgeln sind“ und stets nur über das berichtet werde, „was nach Katastrophe riecht“.

Sein Programm „Nuhr im Traum“ präsentierte der Kabarettist am Sonntag in der ausverkauften Kasseler Stadthalle, wo er im Oktober erst mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache ausgezeichnet wurde. „Weg mit dieser Unzufriedenheit“, lautet seine Botschaft.

Seine ersten Kommentare widmet Nuhr dem Muslim aus Osnabrück, der ihn wegen angeblicher Islamhetze angezeigt hatte. Der 54-Jährige hat dafür nur ein freches Grinsen übrig: „Ich werde heute keine Witze über Religion machen. Ich habe als Messdiener angefangen. Das macht Mut für den Werdegang eines späteren Komikers.“ In Predigerpose ruft er aus: „Lasset uns aufstehen und singen aus dem Buch Ballermann.“

Das Publikum ist rasch auf Betriebstemperatur. Es folgt ein köstliches Programm voller Satire, Sprüche, Häme und Botschaften. Etwa: „Führt euch immer das Positive vor Augen“. Sein erster Tipp für „alle Enttäuschten: Habt eine niedrige Erwartungshaltung – am besten auch gegenüber diesem Programm.“

In den folgenden 120 Minuten präsentierte sich Nuhr, wie ihn sein Publikum liebt: spöttisch, mahnend, sezierend. Schlagertexte wie „Zehn nackte Frisösen“ zieht er genauso genüsslich durch den Kakao wie unsere Kanzlerin: „Ärgern ist keine Emotion, über die Frau Merkel verfügt.“

Immer wieder greift er sich die Medien heraus: „Wenn die Sache besser wird, wird sie nicht mehr erwähnt.“ Zwischendurch: witzige Betrachtungen zur Lebenszeit, Kalauer und Häme über die Jugend, Spott über Vegetarier und „uns Männer“, für die der Tod die größte Bedrohung unserer Gesundheit ist“. Fazit: schräge Ironie als Therapie. Viel Applaus für diesen Therapeuten.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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