Joan Armatrading gastierte in der Wolfhager Kulturhalle

Die Lady strahlt noch

Konzentriert auf die Musik: Joan Armatrading. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Lässig. Kein anderes Wort vermag das Gastspiel Joan Armatradings in der Wolfhager Kulturhalle am Dienstagabend treffender zu beschreiben. Zugegeben, „lässig“ zählt nicht zu den Superlativen, doch Armatrading macht es dazu. Fernab jeglicher Konventionen des Musikbusiness reduziert sie ihren Auftritt auf das, worum es geht: Musik.

Dass sie dies seit fast vier Jahrzehnten beharrlich tut, Authentizität vor vermeintliche Trends stellt, macht sie glaubwürdig. Es scheint die Britin mit karibischen Wurzeln nicht zu stören, dass die Hallen heute nicht so gut gefüllt sind wie zu ihren Hochzeiten in den 80ern. Unprätentiös wirkt sie im schlichten schwarzen Hosenanzug, trotz ihrer 59 Jahre frisch in den Bewegungen, unaufdringlich in ihren Ansagen.

Abgesehen vom reduzierten „Hello“ dauert es gut eine Stunde, bis Armatrading zum Titelsong ihres aktuellen Silberlings „This charming Life“ ein paar Worte an ihre Anhänger richtet. Sie kommuniziert anders, über die Musik und über strahlendes Lächeln, wenn sie in der wohligen Wärme des Jubels badet. Den hat Armatrading wahrlich verdient, denn mit ihrer zeitlosen Musik packt sie nicht nur die mit ihr gealterten Fans der ersten Stunde. Selbst wer 1972 bei Veröffentlichung von Armatradings Debüt „Whatever’s for Us“ nicht mal geboren war, ertappt sich, wie er auf die satte Welle treibender Beats aufspringt und Luftgitarre spielt.

Es ist anders als bei Altstars, die durch die Provinz tingeln und sich krampfhaft an alte Erfolge klammern. Das tut Armatrading nicht, hat sie gar nicht nötig. Die Multiinstrumentalistin, die sich live auf Gitarre und Gesang konzentriert, erfindet sich immer wieder neu. Tauchte sie beim 2007 Grammy-nominierten Album „Into the Blues“, kehrt sie zu kernigen Rockbeats, eingängigen Melodien und geradlinigen Arrangements zurück. Funkig beim hymnischen „Best Dress on“, melancholisch leise beim von einer verlorenen Beziehung erzählenden „Cry“.

Geblieben ist die dunkel-warme Stimme der Lady, die an Strahlkraft nichts verloren hat. Das beweist sie bei „Love and Affection“ oder „All the way from America“, unterstützt durch eine erstklassige dreiköpfige Band, allen voran mit Spencer Cozens an den Tasten. Armatradings Hit „Drop the Pilot“ (1983) krönt das Gastspiel, bevor sich der Star mit einem simplen „Thank you“ lässig verabschiedet.

Von Sascha Hoffmann

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