Neu im Kino

Ladys in der Luxuskrise: „Sex and the City 2“ führt nach Abu Dhabi

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Neu im Kino: „Sex and the City 2“

Wer seine Träume verwirklicht, hat auf einmal kein Ziel mehr. Und dass das zum gefühlten Stillstand führen kann, erleben die Freundinnen Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha im Film „Sex and the City 2“, der heute in den Kinos startet.

Die Fortsetzung ist eine Kino-Weiterdrehe der Fernsehserie um vier Großstadtgirls auf der Suche nach Spaß, Sex und schicken Schuhen.

Jetzt haben sie ihre Super-Jobs, Traummänner, Wunschkinder. Und nun? Macht sich Ernüchterung breit. Kein schlechtes Ausgangsszenario von Regisseur Patrick Steven King. Er demontiert die Kultfrauen sogar ein wenig, vor allem Carrie (Sarah Jessica Parker), die Göttergatte Mr. Big unentwegt anquengelt, weil es zum Hochzeitstag kein Schmuckstück gab, und weil der Herr Gemahl abends im bis zur Leblosigkeit eines Wohnprospekts durchgestylten Luxusapartment mal allein auf dem Sofa sitzen will.

Weil diese selbstkritische Ausgangssituation (die in der Fernsehserie gut funktioniert hat) dem leichtfüßig-überkandidelten Kinofilm-Format entgegensteht, fährt das Quartett alsbald nach Abu Dhabi („Abu Dhabi-Doo!“, wie Miranda entzückt ausruft) auf eine von Samanthas Kunden bezahlte Luxusreise.

Kleinmädchenträume aus dem Lillifeeland sollen hier wahr werden. Denn damit selbst die Luxusladys die Reise noch als Steigerung zu ihrem Alltagsleben empfinden, ist der Schwulst derartig bombastisch, dass ein Realitätsbezug erst gar nicht mehr versucht wird. Privatsuite mit Butlern, vom Hotel bezahlte Designerkleider für den Kamelausritt, Mahlzeiten im perversen Überfluss für die Damen, die allenfalls einen Happen Obst zu sich nehmen, am Pool aalt sich eine testosterondampfende Rugbymannschaft: ein Märchen- oder, unfreundlicher gesagt: Groschenheftambiente. Wollen Frauen das im Unterhaltungskino sehen?

In Kürze

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: zwei Sterne

Was zudem zur überzeugenden Handlung fehlt, ist eine echte Krise. Dass Carrie sich auf dem Gewürzbasar von Ex-Lover Aidan irritieren lässt, kann ebenso wenig dazugezählt werden wie Samanthas sexuelle Entgleisung, die in dem islamischen Land unangenehme Folgen für alle hat.

Besser, die Produzenten hätten die Finger vom Thema arabisch-amerikanische Kulturbegegnung gelassen. Klar sind die Freundinnen in ihrer Naivität total überzeichnet. Aber mit welch überheblicher Ignoranz sie den örtlichen Gepflogenheiten begegnen, ist trotzdem grenzwertig: Einem Mann im Restaurant nicht öffentlich in den Schritt fassen zu dürfen, ist demzufolge eine unannehmbare Freiheitsbeschränkung.

Die feine (Selbst-)Ironie und die witzigen Dialoge, die die Serie immer ausmachten, sind hier bis auf wenige lustige Szenen total zurückgefahren. Übrig bleiben der ungebremste Wille zum Konsumieren und das Lebensziel, sich viermal am Tag umzuziehen.

Von Bettina Fraschke

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