Die norwegische Sängerin Rebekka Bakken und Band verzauberten ihr Publikum im Kulturzelt

Sie lässt den Schnee schmelzen

Schuf im ausverkauften Kulturzelt eine intime Atmosphäre: Rebekka Bakken. Foto: Fischer

Kassel. Das Cover ihres aktuellen Albums „Morning Hours“ zeigt die schöne Rebekka Bakken in einem Wald, in den frühe Sonnenstrahlen hineinleuchten. Kein Wunder, dass die ersten Takte ihrer fabelhaften Band am Mittwochabend im ausverkauften Kasseler Kulturzelt an einen Moosteppich denken lassen konnten, in den Bakken, diese elfengleiche Erscheinung, mit heller Stimme Tupfer setzte wie Fußspuren in von Morgentau glänzendes Gras.

Nur wäre das kitschige Bild eines solchen Morgenidylls unvollständig und verzerrt. Erstens ist die 1970 bei Oslo geborene Sängerin Langschläferin, wie sie in einer ihrer charmanten deutsch-englischen Ansagen („verstehen Sie mir?“) verriet. Zweitens handeln ihre Lieder nicht nur vom Glück. Es geht um Peinlichkeiten und Fehler, die man mit 13 begeht und ein Leben lang nicht vergisst, um Männer, die auch nach drei Tagen nicht anrufen, um das Durcheinander der Gedanken beim Schminken vor dem Auftritt. Um Bedauern und Schmerz und Abschiede, die schwerfallen. Als Bakken auf der Hochzeit ihrer besten Freundin singen sollte, musste sie lange graben, um im Repertoire Passendes zu finden.

Und drittens spielte einer der zauberhaftesten Momente des fast zweistündigen Konzerts nicht an einem Sommermorgen im Wald, sondern in schmelzendem Schnee. Bakken, die lange in Wien gelebt hat und vor Kurzem nach Schweden gezogen ist, interpretierte einen Song von Ludwig Hirsch, dessen Wörter „ganz in ihr Herz gegangen“ waren. So intensiv, als wolle sie alle Besucher persönlich tröstend in den Arm nehmen: „Bist grantig? So richtig grantig? Du, das macht nichts.“ Und ein Lächeln flog hin und her. Auch zu ihren musikalischen Begleitern: Per Lindvall (Schlagzeug), Sven Lindvall (Bass), Staffan Astner (Gitarre) und Jesper Nordenström (Keyboard).

Rebekka Bakken ist nicht festzulegen. Sie firmiert als Jazzsängerin, aber ihre Melodien sind eingängig wie Popsongs - zum Abschied schenkte sie ein wundervolles „Time after Time“. Sie nimmt ihr am Ende mit den Füßen trampelndes, heftig applaudierendes Publikum mit auf Country-Touren über Land, sie singt von Love, Peace und Happiness und sah im ersten Moment in ihrem langen Kleid auch aus wie eine Folksängerin. Ein bisschen wie Janis Joplin. Dann entschuldigte sie sich für ein Haarspray-Unglück backstage. Aber auch das machte nichts, überhaupt nichts.

Kulturzelt heute, 19.30 Uhr: Marit Larsen.

Von Mark-Christian von Busse

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