Lampenfieber muss nicht sein: Die Talentshow „Stage Fright“ im Neu Kafé

Ein musikalisch interessiertes Publikum fand sich im Kafé Neu zur Talentshow ein: Liedermacher Carsten Schollmann eröffnete den Abend. Foto: Schachtschneider

Kassel. „Stage Fright“ (Lampenfieber) nennt sich die „Offene Bühne“ im Neu Kafé, zu der jeder eingeladen ist, der zwischen Musik, Dichtkunst, Comedy und Artistik ein besonderes Talent hat. Für Lampenfieber hatten die jungen Künstler, die am Gründonnerstag ihre 15-minütigen Auftritte bestritten, aber nicht den geringsten Grund.

Man denkt im Neu Kafé an einem solchen Abend unwillkürlich: So muss das damals in New York gewesen sein, als im Village mit Leuten wie Dylan und Burroughs eine neue Bewegung ihre Anfänge nahm. Dazu passte auch der erste Künstler des Abends, Carsten Schollmann, ein moderner Singer-Songwriter, der aber die Wurzeln dieser Kunst kennt. Eine seiner schönsten Zeilen: „Der Erfinder des Happy Ends war bestimmt kein Realist, aber er hatte Humor.“

Humor hatte auf jeden Fall „Casiorakete“, der zweite Performer des Abends, der („Ich bin ein Fan von 80er-Jahre Elektronik“) auf dem gleichnamigen Instrument, adrett in Anzug und Schlips gekleidet, seinen ersten Song Heidi Klum widmete. Es folgte eine beeindruckende ernste Spoken-Word-Performance von Pascalina, die mit einer an Hildegard Knef erinnernden Stimme ihre Prosa vortrug. Bei „Musikantenfriedhof“ hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können.

Dass in solch einem Umfeld dann auch wieder eine alte Schmusenummer zünden kann, bewies das Duo 44difference, das mit einer gesanglich perfekten Interpretation von „To love somebody“ (Bee Gees) das Publikum zum Mitsingen brachte. Eine großartige Coverversion boten auch Marc und Kevin von der Band Bloodmother: „Kaiowas“, im Original von Sepultura, aber unplugged.

Julio, ein junger Peruaner, brachte mit seiner, an Asaf Avidan erinnernden Stimme vor allem den weiblichen Teil des Publikums zum Dahinschmelzen. Beim Auftritt von Jan Emde, der mit einer Stimme wie die des jungen Stephen Stills auch noch dessen „For what it’s worth“ komplett mit dem typischen Flageolett-Spiel auf der Gitarre vortrug, sagte jemand am Nebentisch: „Der weiß gar nicht, wie gut er ist.“ Dieser Satz gilt eigentlich für alle Künstler, die an diesem Abend aufgetreten sind.

Nächste Offene Bühne im Neu Kafé am 29. April.

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