Die Ausstellung „Optica“ zeigt eine Rekonstruktion des Optischen Zimmers Karls von Hessen-Kassel

Ein Landgraf mit Durchblick

Vorgänger des Diaprojektors und des Beamers: Die Ausstellung zeigt fünf der weltweit ältesten Laternae magicae. Foto: Weisker

Kassel. Karsten Gaulke hat sich Stoffhandschuhe angezogen. Behutsam trägt er ein Mikroskop in den neu gestalteten Westflügel der Orangerie und stellt es auf einem kleinen Tisch ab. „Eigentlich wollten wir dieses Objekt auch noch im Rahmen unserer Ausstellung präsentieren“, sagt er und lächelt entschuldigend. „Unsere Sammlung ist aber einfach so groß, dass wir aus Platzgründen Entscheidungen treffen mussten.“

Gemeinsam mit Volontär Bjoern Schirmeier hat der Leiter des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts mit der Ausstellung „Optica“ das Optische Zimmer im Kunsthaus Landgraf Karls (1654-1730) rekonstruiert. Dort werden nun die größten Schätze der Sammlung optischer Instrumente aus dem 17. und dem frühen 18. Jahrhundert des wissenschaftlich interessierten Herrschers der Öffentlichkeit präsentiert.

Zahlreiche Superlative

Die Schau muss dabei den Vergleich mit anderen Ausstellung im Bereich der Optik in Paris und London nicht scheuen: „Wir können mit zahlreichen Superlativen aufwarten“, meint Bjoern Schirmeier und verweist unter anderem auf ein Linsenteleskop aus der Wirkungszeit Galileo Galileis Anfang des 16. Jahrhunderts, welches zu den zehn ältesten seiner Art weltweit gehört.

„Mit unserer Ausstellung wollen wir eine Faszination für die Bilder wecken, die damals gewonnen werden konnten“, erklärt Gaulke. Zur Veranschaulichung der Funktionsweisen der historischen Instrumente werden Computer-animationen eingesetzt.

Die Objekte im Optischen Zimmer des Grafen wurden jedoch nicht nur für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt, sondern auch zum Zeitvertreib der Hofleute. Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich daher der fürstlichen Belustigung und präsentiert zahlreiche „Laternae magicae“, Zauberlampen, mit deren Hilfe Bilder auf eine Wand projiziert wurden.

Die Glasdias, welche mit Wasserfarben bemalt wurden, zeigen die unterschiedlichsten Motive, so zum Beispiel auch ein Bild des Reformators Martin Luther. Dem gemeinen Volk blieben die Vorführungen meist vorenthalten, die Apparaturen waren sehr teuer. Überhaupt hatte die wissenschaftliche Begeisterung des Landgrafen ihren Preis: Allein die nach ihrem Erfinder benannte Tschirnhaus-Linse, mit der Licht gebündelt wird, so dass Temperaturen bis zu 1400 Grad Celcius erzeugt werden können, hatte zur damaligen Zeit den Wert von vier Familienhäusern – eine fürstliche Summe.

„Optica. Rekonstruktion des Optischen Zimmers im Kunsthaus Landgraf Karls“, Orangerie, Westflügel. Bis 26. Februar 2012, Öffnungszeiten: Di bis So 10 - 17 Uhr, Do 10 - 20 Uhr. www.museum-kassel.de

Von Hannah Becker

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