Mit der Schau „Ich und die Wirklichkeit“ startet in Willingshausen das Kunstjahr

Landkarten für die Fantasie

Nachbildung der Wirklichkeit: Ein Hochsitz von Michael Göbel vor den Skirouten-Karten von Anett Frontzek. Foto: von Busse

Willingshausen. Mit großem Elan, einer sehenswerten Ausstellung, neuen Stipendiaten und vielen Ideen der neuen Kunsthallen-Leiterin Kati Werkmeister ist Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis) ins Kunstjahr 2012 gestartet. In der ältesten Künstlerkolonie Europas soll Kunst - ob mit museumspädagogischen Angeboten für Kinder oder anspruchsvollen zeitgenössischen Positionen - auch künftig eine herausragende Rolle spielen.

Weit über 100 Besucher drängelten sich zur Eröffnung im Gerhardt-von-Reutern-Haus, als drei ehemalige Willingshäuser Stipendiaten und eine thüringische Künstlerin ihre Ausstellung präsentierten und die neuen Stipendiaten Anja Köhne und Maciek Rajca vorgestellt wurden. Die scheidende Touristik-Geschäftsführerin Helga Weese stiftete Köstlichkeiten aus der „Gürre Stubb“, das Jazz-Trio Squeeze Me spielte, Zuspruch und gute Stimmung belegten, welcher Magnet die Malerkolonie bereits ist.

Ihre Strahlkraft will die Kunsthistorikerin Werkmeister weiter erhöhen. Und auch ohne Festivität lohnt der Ausflug in die Schwalm. „Ich und die Wirklichkeit“ - unter diesem Titel sind Positionen versammelt, die mit unterschiedlichen Medien Wirklichkeit befragen, kreieren, konstruieren.

Michael Göbel etwa hat sie ganz handfest und mit großer Klarheit bildhauerisch nachgebildet - zum Beispiel einen Hochsitz. Bei Material, Maßstab und Oberfläche jedoch baut er Verfremdungen, Irritationen ein. „Über das Verschwinden“ nennt Barbara Wrede ihre Kombination von Zeitungsbildern mit eigenen Texten. Ist die mediale Wirklichkeit objektiv? Was entspricht subjektiver Wahrnehmung?

Ein Geheimnis hinter ländlicher Idylle scheint in den Holzschnitten der Thüringerin Uta Zaumseil zu lauern - merkwürdige Lichter erhellen etwa eine nächtliche Szenerie. Eine ganz wunderbare Arbeit stammt von Anett Frontzek. Sie hat aus offiziellen typografischen Karten der Schweiz mit dem Skalpell allein die Skirouten herausgetrennt. Was zuvor höchst amtlich vermessen war, wird nun zur Landkarte der Fantasie.

Bis 4. März, Merzhäuser Str. 1, Di-So 14-17 , Sa/So auch 10-12 Uhr, Infos: Tel. 06697/1418, www.malerkolonie.de

Von Mark-Christian von Busse

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