Johann Rosenboom und Siegfried Gerstgrasser in einer Ausstellung bei Plansecur

Landschaften und Jahresringe

Raumfluchten geben Zuflucht: Johann Rosenbooms „Blauer Innenraum“. Foto: Plansecur

Kassel. Ja, der Sommer kann so sein, wenn man nach Süden fährt in die Landschaften Arkadiens. Johann Rosenboom, Maler aus Leidenschaft, folgt ihm, malt, wo der Sommer zu Hause ist. Werke aus den letzten zwei Jahren sind in einer Doppelausstellung mit Skulpturen von Siegfried Gerstgrasser bei Plansecur zu sehen.

Rosenboom, 1947 in Leer geboren, ehemaliger Kunsterzieher, seit 1981 freischaffender Maler mit Dependance in Italien, erzählt in 20 Tableaus mit großer Meisterschaft vom südlichen Leuchten. Seine sich ins Abstrakte auflösenden Farbschichtungen lassen die Hügel in sanftem Schwung ansteigen und komponieren mit dem Spiel von Licht und Schatten wunderbare Bildordnungen. Daneben zeigt der gegenständliche, ins Impressionistische verweisende Künstler auch Interieurs und Häuseransichten. Seine oft übermalten Farbblöcke setzt er mit malerischer Subtilität gegeneinander, er öffnet Raumfluchten, die Zufluchten gewähren, in denen sich der Lichteinfall entfalten kann. Bräunliche Mauern fügen in sich in die Landschaften ein, als seien sie etwas Organisches. Rosenboom ist ein Maler mit Magie und Poesie, dessen subtiles Umgehen mit der Farbe seine Kunst ausmacht.

Seit drei Jahrzehnten hat sich Siegfried Gerstgrasser dem Holz verschrieben. Einem Holz, das seine Jahresringe freigibt und von der verschwundenen Zeit zu erzählen weiß. Der 69-Jährige zerschneidet Holz, setzt es neu zusammen, kombiniert die offen gelegten Strukturen neu. So entstehen Reihungen und Additionen, die er mit Farbstreifen akzentuiert. Wie Gerstgrasser dem Holz seine Würde belässt, macht den Reiz seiner Objekte aus - großformatige Stelen und gewaltige Fächer auf Stangen und Fußplatten.

Im „Buch des Lebens“ lässt der in Meran geborene Künstler die Lebensringe fortschreiben, bei der Installation „Mensch und Kosmos“ scheinen sich zwei pyramidenförmige mit Grafit eingefärbte Blöcke, der kleinere aufgehängt von oben, für einen Wimpernschlag zu begegnen.

Bis 15.7., Druseltalstr. 150, Mo - Do 9 bis 16, Fr 9 bis 12 Uhr.

Von Juliane Sattler

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