Neu im Kino: Eine düstere Zukunftsvision zeigt „Die kommenden Tage“

Der lange Weg ins Nichts

Schließen sich einer Terrorvereinigung an: Konstantin (August Diehl) und Cecilia (Johanna Wokalek). Foto:  apn

Der Beginn des neuen Filmes von Lars Kraume („Keine Lieder über Liebe“) ist überwältigend, er entwirft das Szenario für ein großes Kinoerlebnis. Der Zuschauer erlebt Zentraleuropa in einer nahen Zukunft. Das Modell EU ist gescheitert, es werden Kriege um die letzten Öl- und Wasservorräte geführt, und die Region schützt sich mit einer militärisch gesicherten Mauer vor den Flüchtlingsströmen aus Afrika.

Ein Baby auf dem Arm, verlässt Laura Kuper (Bernadette Heerwagen) den Sicherheitsbereich. Was sucht die junge Frau da draußen, in dieser lebensfeindlichen Welt?

Ein Endzeit-Drama aus Deutschland, der richtige Film zur rechten Zeit, für viele Kinogänger die Erfüllung eines lang gehegten Traumes? Leider Fehlanzeige. Was so vielversprechend beginnt, wächst sich zu einer seltsam verquasten Beziehungsgeschichte aus, die mit einem fantastischen Ensemble punkten kann, aber niemals auf einen Punkt kommt.

Man mag die Botschaft erahnen, die überbracht werden soll, aber sie erreicht den Adressaten nicht.

Ein paar Jahre früher. Lauras Schwester Cecilia (Johanna Wokalek) hat sich den charismatischen Konstantin (August Diehl) angelacht, der der bürgerlichen Gesellschaft feindselig gegenübersteht. Später werden sich die beiden einer Terrororganisation anschließen. Laura hingegen hat den netten Anwalt Hans (Daniel Brühl) kennen und lieben gelernt, aber das Schicksal hält für das Paar einige böse Überraschungen bereit.

Vor allem gegen Ende erweist sich die Spielzeit von knapp 130 Minuten als quälend lang. Der Vertrauensvorschuss des Publikums ist längst aufgebraucht, es ist klar, da kommt nicht mehr viel.

Das deutsche Kino hat erfreuliche neue Wege beschritten. Frech und mit großer Leichtigkeit stürzen Filmemacher Ikonen, wagen sich an alle denkbaren Genres. Eine Kopfgeburt wie „Die kommenden Tage“ erscheint in diesem Licht wie ein überflüssiger Rückfall in Zeiten, in denen das heimische Kino unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Welt belehren wollte.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!:::

www.hna.de/kino

Von André Wesche

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.