Buch zu „101 Orten, die man gesehen haben muss“

Von der langen Anna zur Zugspitze

Zwei Reflexe löst das Buch „101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss“ aus: Erstens möchte man sofort nachzählen, wie viele dieser 101 Orte man kennt. Witzigerweise sind es bei Manuel Andrack, der ein sehr kurzes Vorwort geschrieben hat (womit der Verlag dennoch prima werben kann) 50, im Fall des Rezensenten 51.

Zweitens überlegt man unwillkürlich, welche Orte fehlen. Welche man selbst anderen ans Herz legen würde. Es fehlen also beispielsweise das Freiburger Münster, die Bodensee-Region, Görlitz - für manche die schönste deutsche Altstadt -, Övelgönne am Hamburger Elbstrand und unbedingt der urwüchsige Weststrand im Nationalpark auf dem Darß.

Aber wahrscheinlich könnte man stundenlang diskutieren, was einen sinnvollen Querschnitt deutscher Sehenswürdigkeiten darstellt. Welche der 101 Orte, die er jeweils auf einer Text- und einer Bilderseite vorstellt, hätte Autor Bernd Imgrund weglassen sollen? Na gut, das „Rote Haus“ in Monschau ist keine Weltberühmtheit, die Hallertau kennt man nur von der Autobahn aus, vielleicht zu Unrecht, und warum es gerade das Wilhelm-Busch-Karikaturen-Museum in Hannover sein muss, darf man in der Caricatura-Stadt Kassel sicher auch fragen. Aber sonst?

Bildet die Auswahl zwischen Paulskirche und Porta Nigra, Schwebebahn und Schillerhöhe, Kyffhäuser und Königsstuhl, Bauhaus und Stasi-Knast Bautzen, Hofbräuhaus und Holstentor eine stimmige Kombination aus geschichts-trächtigen Stätten, architektonisch sowie kulturell einmaligen Zeugnissen sowie Naturschönheiten.

Mit diesem Buch könnte man wochenlang reisen, von der Langen Anna auf Helgoland zur Zugspitze, vom Aachener Dom zum Zwinger, vom Limes zur Loreley. Auch an der Philipps-Universität Marburg könnte man dann Halt machen oder an der ältesten deutschen Buche in Ringgau-Datterode.

In Kassel wäre der Reisende vermutlich enttäuscht. Weil die documenta, die ebenfalls angepriesen wird, nur alle fünf Jahre für 100 Tage stattfindet. Der Kölner Autor weist auf Außenkunstwerke im Stadtraum hin, versäumt aber, auf die documenta-Ankäufe in der Neuen Galerie aufmerksam zu machen. Das documenta-Archiv hat Imgrund auch vergessen. Dafür rät er zum Besuch einer „Dauer- und Wechselausstellung“ im Fridericianum, die es so überhaupt nicht gibt: Die Kunsthalle präsentiert dort ein wechselndes Aussstellungsprogramm zeitgenössischer Kunst - aber ganz ohne Dauerausstellung. Bernd Imgrund: 101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss. Theiss, 218 S., 14.95 Euro, Wertung: !!!::

Von Mark-Christian von Busse

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