Inga Jamry spielt in der Komödie das Erfolgsstück „Keinohrhasen“

Langer Weg zum Glück

Beim Brüder-Grimm-Festival in „König Drosselbart“ zu sehen: Schauspielerin und Musical-Darstellerin Inga Jamry (37). Foto: nh

Kassel. Inga Jamry musste erst ganz verzweifelt sein, um ihr Glück zu finden. Es war vor neun Jahren, als sie einen Autounfall hatte. Die Frau aus Delmenhorst war damals 28, Industriekauffrau und arbeitete als Buchhalterin. Ihre Verletzungen waren so schwer, dass Jamry nicht wusste, ob Schäden bleiben würden. Sie hatte damals viel Zeit, um nachzudenken.

Ihr Traum war schon immer die Bühne gewesen, und als sie im Krankenbett lag, wusste sie: Wenn ich mein Leben jetzt nicht ändere, dann wird mein Traum niemals Wirklichkeit. Jamry schmiss den Bürojob und ließ sich an der Hamburger Stage School zur Musical- und Bühnendarstellerin ausbilden. Als einige Jahre später ihre ehemaligen Bürokollegen das Bremer Theaterschiff besuchten und Jamry auf der Bühne sahen, sagten sie: „Toll, dass du das gemacht hast. Bei uns wärst du nie glücklich geworden.“

Jamrys Vita ist eine anrührende Geschichte, die ein bisschen passt zum Erfolgsstück „Keinohrhasen“, in dem die 37-Jährige ab morgen in der Kasseler Komödie zu sehen ist. In dem Publikumsrenner nach Til Schweigers gleichnamigem Kinohit wird die Hauptfigur Ludo quasi zum Glück gezwungen. Über ihr eigenes Glück, das erst einmal großes Leid war, sagt Jamry: „Genau so musste das kommen. Direkt nach der Schule hätte ich das mit der Schauspielerei wahrscheinlich gar nicht so konsequent durchgezogen.“

In der „Keinohrhasen“-Wiederaufnahme unter der Regie von Lutz Lukazs spielt die Norddeutsche gleich mehrere Rollen: Ludos Schwester Lilly, die Kindergärtnerin Miriam und das Luder Nina. Am Anfang wusste sie nicht so recht, wie das funktionieren soll, die Geschichte, die alle aus dem Kino kennen, mit nur vier Schauspielern auf die Bühne zu bringen. Mittlerweile aber glaubt sie, dass die Kopie das Original schlägt: „Im Theater ist alles viel realer als auf der Leinwand.“

In Bremen hat sie das Stück schon gespielt. Seitdem sie 2008 in „Das andalusische Mirakel“ zum ersten Mal in Kassel zu sehen war, pendelt Jamry zwischen Delmenhorst, wo die Single-Frau lebt, und Nordhessen. An Kassel ist sie früher immer nur vorbeigefahren. Als sie dann zum ersten Mal von der Autobahn abgefahren ist, fand sie die Stadt ganz schrecklich, wie sie bekennt. Mittlerweile hat sie die Schönheiten der Stadt per Fahrrad und zu Fuß entdeckt. Es war eine Liebe auf den zweiten Blick. „Ich musste mich der Stadt ergeben“, sagt Jamry, die auch hier zu ihrem Glück gezwungen wurde.

Keinohrhasen mit Annika Päs, Martin Rüegg, Inga Jamry und Erik Voß: Ab morgen, 20 Uhr, bis zum 29. Mai wieder in der Komödie. Karten: 0561/18383.

Von Matthias Lohr

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