Gitarrist Al Di Meola spielt im ausverkauften Kulturzelt furios, aber nichts Neues

Langeweile mit einem Gott

Rasend schnelle Läufe sind sein Markenzeichen: Fusion- und Jazz-Gitarrist Al Di Miola im Kasseler Kulturzelt. Foto: Fischer

Kassel. Auch auf die Gefahr hin, dass nun einige vom Sofa springen und es übel nehmen: Auf die Frage „wie war’s?“ sollte die Antwort erlaubt sein: gepflegte Langeweile bei höchster Virtuosität. Letztere war zu erwarten, Erstere hätte nicht sein dürfen.

Der große Fusion- und Gitarrengott Al Di Meola zu Gast im ausverkauften Kasseler Kulturzelt. Vor Kurzem hat er mit seiner eigenwilligen Interpretation von Beatles-Songs von sich reden gemacht. Er werde alte Stücke, einige Beatles-Improvisationen und neue Sachen spielen, die noch gar nicht auf CD erschienen seien, erklärt er zu Beginn. Folglich hieß sein Programm denn auch „Al Di Meola Plays Beatles And More“. Begleiter waren der Co-Gitarrist Kevin Seddiki und der Schlagzeuger Peter Kaszas.

Al Di Meola ist seinem alten, unverwechselbaren Stil treu geblieben. Mit seinem Fusion-Konzept, das unterschiedliche Richtungen und Einflüsse wie Flamenco, Jazz, Rock und lateinamerikanische Folklore miteinander verwebt, hat er ja schon Mitte der 70er Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistert.

Die rasend schnellen Läufe sind bis heute sein Markenzeichen. Während Seddiki ihn ausschließlich akustisch begleitet, hat Al Di Meola seine Akustikgitarre an einen Synthesizer angeschlossen. Die so erzeugten Elektrosounds, mit denen er fast alles untermalt und ergänzt, erzeugen aber eine Atmosphäre des Aseptischen: klinisch rein und irgendwie ohne Leben. Auch seltsam, wenn die Akustikgitarre plötzlich wie eine verzerrte Rock-Gitarre klingt. Es gab wenige Überraschungen und kaum Spannung.

Ein Verdacht tut sich auf: Interpretiert Al Di Meola die Beatles in Ermangelung an neuen Ideen? Immerhin sind diese Momente noch die interessantesten des Abends. Nach einer guten Stunde wird das Ende eingeläutet. Die planmäßige Zugabe gibt’s sofort und ohne dass das Trio zuvor die Bühne verlassen hat.

Unter anderem mit einer schönen Adaption des Beatles-Klassikers „She’s Leaving Home“ und einer rhythmisch starken Version des „Mediterranean Sundance“, dem Opener des legendären „Friday-Night In San Francisco“-Konzerts: Erst jetzt, ganz zum Schluss, kommt denn auch etwas Bewegung ins Publikum.

Von Andreas Gebhardt

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