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Lars Ruppel überzeugte mit seiner „Poesiebegeisterungsshow“ in der Sparda-Bank.

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Von: Gesa Esterer

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Lars Ruppel Poet und Kabarettist
Lars Ruppel Poet und Kabarettist © Privat

Er schaut ins Getriebe unserer Sprach-Konventionen: Poetry Slammer Lars Ruppel lud beim Erzählfestival zur poetischen Show in die Sparda-Bank.

Kassel – Das Wort „Fernmeldeamt“ sei letztens aus dem Duden rausgeflogen. Dafür habe das Regelwerk der deutschen Sprache die zweite Bedeutung von „scheuern“ aufgenommen: Scheuern heißt jetzt auch Geld zum Fenster rauszuschmeißen, das einem nicht gehört.

Am Samstag präsentierte Slampoet und Kabarettist Lars Ruppel beim Sparda-Erzählfestival mit sensiblem Witz, Wortdrehern und unglaublicher Sprachverliebtheit „Die Poesiebegeisterungsshow“. Eigentlich leidet der 37-Jährige, der 2014 den Wettbewerb des deutschen Poetry Slams in Dresden gewann, seit der Schulzeit an „poetischer Überforderung“, einer Krankheit, die „Morbus Goethe“ heißt. Dies sei ihm bewusst geworden, als er auf dem Dachboden seiner Eltern ein Schulheft aus der Klasse 3b fand. Hausaufgabe war die Steigerung von Adjektiven, die der damals Achtjährige richtig, aber richtig langweilig löste: „Der Hase hoppelt schnell, der Strauß rennt schneller, der Falke fliegt am schnellsten.“

Als Gymnasiast stellte sich Lars Ruppel auf die Poetry-Slam-Bühne und fand es „Hammer“, dass ihm 200 Leute zuhörten. Mittlerweile leitet der in Südhessen geborene Autor Poetry-Slam-Workshops für Schüler und Studenten. Darüber hinaus gründete er die Marburger Slampoeten-Lesebühne. Sein besonderes Engagement gilt dem Projekt „Weckworte“ für Menschen, die ihre Sprache verloren haben. In Arbeitskreisen lernen Pflegende und Angehörige, wie Demenzkranke mit Reimen oder Poesie kreative Impulse bekommen: „Sie sagen dann plötzlich Gedichte auf.“

Auch in anderen Lebensbereichen begeistert sich Lars Ruppel für Reime. In Berlin-Charlottenburg beispielsweise freut er sich immer wieder über die Werbung von „Matratzen Harry“: „Matratzi, Matratzi, Harry hat sie“. Poesie beginnt für den Wahlberliner dort, wo wir die Sprachpfade verlassen.

Wie dies funktioniert, zeigte Lars Ruppel zum Schluss mit seiner furiosen Ballade „Alter Schwede“ über die Abholzung der Wälder für „Billy“ sowie andere Produkte von Ikea und die Rache einer bösen Fee. Dem Publikum bot der Slampoet 70 Minuten lang intelligente Unterhaltung und begeisterte mit der Szene für Szene perfekt gebauten Poesiebegeisterungsschau.

https://www.sparda-hessen.de/sparda-bank-hessen-kultur-spardaerzaehlfestival/

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