Ute Mescher und Jürgen O. Olbrich im Kunsttempel

Lauter Beweise

Verhüllt: Die Wasserspeier erhielten Latex-Überzieher. Foto: Mescher/nh

Kassel. „Die Beweise liegen auf dem Tisch, die Taten musst du selbst rekonstruieren.“ So begrüßte Jürgen O. Olbrich, im polizeigrünen Hemd mitsamt Staatswappen, am Donnerstagabend jeden der zahlreichen Besucher im Kunsttempel.

600 weiße Postkarten hatte er versandt, mit der Bitte, ein „Original-Beweisstück“ zurückzuschicken - was immer es sei. 200 Karten bekam er, von Kasseler Schülern wie von Künstlern aus aller Welt - bis hin zu Yoko Ono.

Erstaunlich ist die Fantasie anregende Vielfalt dessen, wozu sich die Angeschriebenen auf knappem Raum inspiriert fühlten. Da wurde geklebt und gemalt, geschrieben und gezeichnet. Stofffetzen, Schlüssel, Wattestäbchen, Negativ, Messer, Flugticket und Kinokarte - im Kunsttempel fühlt man sich in eine Asservatenkammer versetzt, als sei eigener kriminalistischer Spürsinn gefragt.

Amüsiert hatte die „echte“ Polizei und viele Passanten eine Kunstaktion, zu der sich Ute Mescher am 20. März mit Freunden auf dem Königsplatz traf: Man stülpte den Wasserspeiern auf dem Königsplatz extra angefertigte Latex-Hüllen über. Eine nahe liegende wie witzige Idee, deren Umsetzung ein kurzer Film dokumentiert, der im Kunsttempel läuft. Die Original-Überzieher sind dort ebenso ausgestellt wie Fotos und Tatort-„Protokolle“ aus Meschers Serie „Kaputt“. Lauter Beweisstücke eben.

Noch Samstag und Sonntag, 15-18 Uhr, Kunsttempel, Friedrich-Ebert-Str. 177.

Von Mark-Christian von Busse

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