Ursel Schlicht beeindruckte im Dock 4 mit ihren Musiker-Kolleginnen Gabriele Hasler und Cécile Broché

Lauter ungewöhnliche Klänge

Drei Individualistinnen: (von links) Ursel Schlicht (Piano), Gabriele Hasler (Stimme, Elektronik) und Cécile Broché (Geige). Foto: Malmus

Kassel. Im ersten Werkstattkonzert von Ursel Schlichts hunderttägigem Musikworkshop „Ex Tempore 4“ begegneten sich am Samstagabend im Kulturhaus Dock 4 drei ebenso faszinierende wie individuelle Musikerinnen.

Cécile Broché mit ihrer eigenwilligen Elektrovioline serviert ein vielfältiges Klangspektrum vom feinsten Flageolett bis zum Effektpedal-Powersound, der manchen Rockgitarristen Ehre machen könnte. Gabriele Haslers vielschichtige Stimmakrobatik wird besonders vergnüglich, wenn sie in dadaistischer Manier nicht bexistierende englische Komposita eindeutscht: aus Hip-Nose wird dann Hüft-Nase, um schließlich in einer Kehrtwende zur Hypnose zu changieren. Ursel Schlicht, Organisatorin dieser spannenden Begegnungen und Komponistin der meisten an diesem Abend vorgestellten Werke, zeigt sich melodiefreudig und voller kammermusikalischer Präzision.

Wie sähe eine Welt ohne Menschen aus? Der Titel „A Lingering Scent of Eden“, inspiriert von dem Roman „The World without us“ und bereits vor zwei Jahren entstanden, korrespondiert vielleicht am direktesten mit den Themen der documenta. Ursel Schlicht beschreibt in Manier der Programmmusik eine der letzten unberührten Naturlandschaften, gelegen zwischen Polen und der Ukraine. Ausgehend von einer komplexen Akkordschichtung entspinnt sich ein Soundpanorama: Schmetterlingsflattern an der Hörgrenze geht über in ein drohendes Tremolo der Naturkräfte.

Ein exquisites Klangvergnügen für leider nur dreißig Zuhörer. Es lohnt sich, Ursel Schlichts Musikstudio im Fotomotel Wolf 53 zu beachten.

Von Hartmut Schmidt

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