Komponistin Ursula Mamlok im Porträt

Leben fürs Experiment

Ursula Mamlok

Kassel. Der 27. Januar wurde 2005 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens der Opfer des Holocaust erklärt. Ein passender Anlass für Christel Nies, in ihrer seit 23 Jahren existierenden Reihe „Komponistinnen und ihr Werk“ der Berlinerin Ursula Mamlok einen Abend zu widmen.

Die Geschichte dieser jüdischen Komponistin, die am Freitag 90 Jahre alt wird, wurde geprägt von einer doppelten Emigration: Der Flucht 1939 in das amerikanische Exil und dem Wechsel von der Klassik zur neuen Musik.

Von Brahms zu Schönberg und noch ein Stück weiter trieb es die experimentierfreudige Black-Mountain-College-Absolventin. Man sagt ihr nach, nie einen Ton zu viel komponiert zu haben. Dem Violinenvirtuosen Kolja Lessing gelang im Musiksaal der Universität vor 50 Zuhörern der eindrucksvolle Beweis, dass sich Klassik und Moderne durchaus gut verstehen. Ihm war es vorbehalten, Kompositionen von Mamlok, Bach, Jacqueline Fontyn und Ferdinand David atmosphärisch schlüssig zu verbinden. Ein Unterfangen mit höchstem Schwierigkeitsgrad, das Lessing meisterhaft realisierte. Polyfonische Präzision bei den Klassikern, technische Raffinesse in der Zwölfton-Architektur - dazu ein sauberer Strich und faszinierende Klarheit in der Intonation.

Auch Lessings Bildsprache und Formulierungsästhetik zeugten von einer tief empfundenen Begeisterung für die Musik. Ein Video-Trailer und erklärende Worte der Berliner Musikjournalistin Bettina Brand trugen zum gelungenen Abend bei. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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