Theaterwahn: Die Darsteller des „Theater hArt Times“ wissen, wovon sie reden

Aus dem Leben gegriffen

Ich spiele, dass ich nicht spiele: Die Schauspieler des Theaters hArt Times im Dock 4. Foto: Malmus

Kassel. Kommt ’n Mann zum Psychiater: „Herr Doktor, ich habe ständig das Gefühl, nicht richtig wahrgenommen zu werden.“ „Der Nächste, bitte.“- Manchmal hilft eine Prise Selbstironie, wenn man auf ein Leben zurückblickt, das durch Psychosen und manische Depression gezeichnet ist.

Die ließen die acht sehr unterschiedlichen Darsteller des „Theater hArt Times“ aus Hannover, die am Donnerstagabend beim Festival „Theaterwahn“ mit ihrem Stück „Best Song of My Life“ im Dock 4 zu sehen waren, denn auch nicht vermissen.

Da ist die kleine Dame mit der dicken Hornbrille, die immerzu bemerkt: „Über Liebe kann ich nicht viel sagen. Aber wenn ich schöne Blumen sehe, habe ich Frohsinn.“ Auf einer großen Leinwand erscheinen Projektionen, die selbst wie Metaphern wirken, begleitet von den lyrischen Klängen einer Viola und kalten New-Wave-Loops, die aus der Erinnerung der Darsteller entspringen.

Ein Mann mit Sonnenbrille kreist mit gespreizten Armen umher und schnaubt wie ein brummender Motor: Rückblicke auf die verlorene Jugend und einen beneidenswerten Flitzer. Eine Frau in Abendrobe zitiert inbrünstig Piafs „Je ne regrette rien“. Sie erinnert wirklich ein wenig an den Spatz aus Paris. Lyrisch und traumverloren sinniert sie: „Ich spiele, dass ich nicht spiele ... insofern spiele ich mich selbst ... doch bin ich auch eine Illusion.“

Tatsächlich zerflossen die Grenzen zwischen Fiktion und trister Wirklichkeit, zwischen autobiografischen Erzählungen und künstlerischer Verformung, zwischen bruchstückhaften Erinnerungen und Wunschtraumsequenzen. Spielten die Darsteller sich selbst oder parodierten sie ein Klischee?

Dass die Produktion diese Antwort schuldig blieb, machte ihren Reiz aus. Und so fügten sich die streckenweise weitschweifigen Monologe doch am Ende zu einem stimmigen Ganzen. Von der voll besetzten Zuschauertribüne kam lauter Beifall.

Von Carolina Rehrmann

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