Vom Leben gezeichnet: Der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros beim Vellmarer Sommer im Park

Virtuos am Keyboard: Günter Dzikowski (links) sorgte zusammen mit Gitarrist Roland Vogt (nicht im Bild) für die musikalische Unterstützung des gesundheitlich eingeschränkten Liedermachers Wolfgang Ambros (rechts). Foto: Schachtschneider

Vellmar. Was ist das Beste überhaupt? Es ist das Skifahren, wenn man einem Hit aus den 70er-Jahren glauben darf. Mit eben dieser alpinen Hymne beschloss der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros am Sonntag seinen Auftritt beim Vellmarer Festival „Sommer im Park“. Erstaunlich textsicher zeigte sich das Publikum, als es in tiefster Mundart den urösterreichischen Refrain mitsang: „Weil Schifoan is des Leiwandste, wos ma sich nur vurstöln kaun.“

Die rund 400 Besucher im Theaterzelt feierten die Austropop-Legende mit Jubel und Ovationen: Berührendes Ende eines Abends, der durchaus gemischte, ja traurige Gefühle hervorrief. Als Zuschauer konnte man besorgt sein über den gesundheitlichen Zustand des Musikers. Der 65-Jährige wirkte angeschlagen, gebrechlich, vom Leben gezeichnet.

Wie österreichische Medien damals berichteten, hat er sich im Jahr 2014 einer achtstündigen Rücken-Operation unterzogen, anschließend soll er unter Depressionen gelitten haben. Deshalb nötigte der Liedermacher Respekt ab, auch wenn nicht jeder Ton perfekt war, zumal im Gitarrenspiel, und die Moderation recht stockend daherkam.

Kraftvolle musikalische Unterstützung fand er in dem Keyboarder Günter Dzikowski und in Roland Vogl, der für diverse Saiteninstrumente zuständig war.

Dabei hatte der Abend, an dem Ambros viele starke Stücke aus seiner langen Karriere Revue passieren ließ, auch große Momente. Unter die Haut ging es, als er voller Melancholie und Galgenhumor das Lied „Tendenz zur Demenz“ anstimmte. Einmal gab es eine Hommage an den 2007 gestorbenen Kollegen und Freund Georg Danzer („Weiße Pferde“). Und in seinem Lied „Gezeichnet fürs Leben“ zeigte sich Ambros als unverwechselbarer Interpret, der mit rauen wienerischen Worten eine tiefe Verzweiflung zum Ausdruck brachte.

In diesem Lied geht um einen Dieb, der sich für seine Tat schämt und dafür bezahlen muss: „I hob wos g’stohln. I waß, i hätt net solln. Es is ma passiert, i hob mi so geniert – trotzdem muass i zohln.“

Von Georg Pepl

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