Der Schriftsteller Kristof Magnusson stellte seinen schönen Roman „Das war ich nicht“ in Vellmar vor

Das Leben ist die größere Krise

Kristof Magnusson

Vellmar. Wenn das so weitergeht, wird Kristof Magnusson noch Bundespräsident. Vor wenigen Wochen las der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck beim Vellmarer Literaturverein Ecke und Kreis, und nun ist er einer der Kandidaten für das höchste Amt im Staat.

Als Magnusson am Montag seinen Roman „Das war ich nicht“ im evangelischen Kirchenzentrum vorstellte, war er so ehrlich wie Gauck und mindestens so sympathisch wie der nette Christian Wulff. Hätten die 50 Zuhörer den Bundespräsidenten wählen dürfen, wäre Magnusson wohl der Favorit.

Der 34-jährige Halb-Isländer, der in Hamburg aufwuchs und am Leipziger Literaturinstitut studierte, hat nicht nur einen ebenso temporeichen wie komischen Roman zur Krise geschrieben. Der Wahl-Berliner kann auch unterhaltsam über seine Geschichte reden, in der das Leben des Bankers Jasper Lüdemann, das einer deutschen Literaturübersetzerin und das eines US-Autors durcheinandergeraten, während die Finanzwelt zusammenkracht.

Magnusson erzählte, dass er gern mit Klischees spielt. So ist sein Jasper ein Banker wie aus dem Bilderbuch. Ständig schaut er auf sein Blackberry, das aber nie klingelt. Der Autor gestand, wie nervös er bei einer Lesung vor 250 Bankern in Frankfurt war. In Vellmar bekam Magnusson viel Lob von dem Vellmarer Finanzberater Rolf Kieckebusch. Genau so sei es in den Händlersälen, sagte er.

Ein Zitat aus dem Roman stammt indes nicht aus der Wirtschaftswelt. Auf der Leipziger Buchmesse riet ein Verlagsmitarbeiter Magnusson und anderen Autoren: „Zwischen 30 und 40 muss man brennen.“ Im Buch sagt das der Banker. Trotzdem sei sein Roman kein Buch zur Krise, sondern ein „Buch zur Lebenskrise“. Es war ein staatsmännischer Satz, nur muss ein Bundespräsident mindestens 40 sein. Foto: Lohr

Kristof Magnusson: Das war ich nicht. Antje Kunstmann Verlag, 288 Seiten, 19,90 Euro. Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.