Stuk, das Studententheater der Uni Kassel, spielt eine Bühnenfassung von Voltaires „Candide“ im Dock 4

Leben heißt frustriert werden

Im Kreis um die Requisiten: Sabine Soydan (von links), Johanna Trautner, Alexander Hahn, Tanja Lau, Mia Abele, Irina Wollek und Kawar Murad. Foto:  Malmus

Kassel. Leben wir in der besten aller möglichen Welten? Der Lehrer des jungen Candide gibt dies seinem Schüler mit auf den Weg ins Leben. Nicht gerade sanft wurde der junge Mann dort hineingeschubst, nachdem er beim Liebesspiel mit Kunigunde von dessen Vater überrascht wurde. Was folgt, ist eine Odyssee in Sachen Selbstfindung, bei der besonders die Frage im Mittelpunkt steht: „Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?

Stuk, das Theater der Uni Kassel unter Leitung von Volker Hänel und Ulrike Birgmeier, hat sich von der 1759 erschienenen satirischen Novelle Voltaires inspirieren lassen und unter dem Titel „Candide - Es lebe der Optimismus“ am Donnerstag vor 120 Besuchern als Premiere im Dock 4 auf die Bühne gebracht.

Was Candide findet, macht ihn nicht glücklich: „Ich will etwas tun, was Sinn macht“ , ruft er frustriert aus. Vom Krieg, von Bankern, der Werbung, von Architekten wird er gedrillt, gelehrt, beeinflusst, manipuliert. Es bleibt Ratlosigkeit.

Auch die Liebe zu Kunigunde ist nicht der Himmel auf Erden. Frust – wohin er schaut. Die Utopie vom sorglosen Leben - geplatzt. Die Besucher erlebten eine übersprudelnd kreative und lebendige Inszenierung. Eine tolle Idee war, das Requisitensammelsurium aus Kinderstühlen, Laptops, Bauarbeiterhelmen, Puppen als großen Kreis auszulegen und die Flächen innerhalb und außerhalb dieses Kreises als Bühne zu nutzen. Pfiffig auch, da herum die Besucher ebenfalls im Kreis zu platzieren.

Richtig gut waren die Darsteller: Präsenz, Ausstrahlung, Sprache – großartig. Insgesamt gab es vom Guten bisweilen aber etwas zu viel. Denn da die bestens in Szene gesetzten Figuren mehr für Gesellschaftsschichten denn für individuelle Charaktere standen, zersplitterte das Stück - und bei 110 Minuten Aufführungsdauer auch die Aufmerksamkeit manches Zuschauers. Es spielten: Alexander Hahn, Irina Wolleck, Johanna Trautner, Johannes Schröder, Julia Kopylova, Kawar Murad, marion Hellebrandt, Mia Abele, Sabine Soydan, Tanja Lau. Viel Beifall.

Wieder am 3., 4., 5.6.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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