Leben als Performance - eine Schau über Eva & Adele

Selbstporträt: „Zeitmaschine“, 2012, Aquarell, Gouache. Foto: museum

Herford. Markenzeichen Zwillingslook, schrille Kleider, vorzugsweise in Pink, und Glatzen: Eva & Adele haben mit ihren Auftritten bei Kunst-events wie den documenta-Ausstellungen viel Aufsehen erregt. In Herford verraten sie jetzt mehr über sich selbst.

„20 Jahre Dauerperformance sind wirklich anstrengend“, sagt die zierliche Adele, und Eva stimmt ihr zu. Hier im Herforder Museum Marta gewährt das Künstlerduo Eva & Adele erstmals einen Einblick in ihre Welt hinter den knalligen Kostümen und dem ewigem Lächeln. Ihr Alter halten die beiden aber geheim. Zu sehen sind 200 Exponate, überwiegend eigene Zeichnungen und neun Kostüme.

Eine zentrale Bilderreihe der Ausstellung „Obsidian“ heißt „TSG I“. Das steht für Transsexuellengesetz. Eva war rechtlich gesehen bis vor Kurzem ein Mann, fühlte sich aber als Frau. Erst mit dem TSG wurde es ab Januar 2011 möglich, dass ein transsexueller Mensch keinen Eingriff und keine Hormonbehandlung machen muss, um das Geschlecht zu ändern. Es war dennoch ein langer Weg über psychiatrische Gutachten und einen Richter bis zur Anerkennung. Aber jetzt ist Eva auch offiziell eine Frau.

Eva hatte schon als Kind das Gefühl, anders zu sein. „Ich wollte Künstler werden, denn das ist das dritte Geschlecht.“ Dieses dritte Geschlecht fanden die beiden auf einer Reise nach Griechenland. Am Eingang zur Ausstellung hängen darum Zeilen Platons aus dem „Gastmahl“. Darin wird ein drittes Geschlecht erwähnt, das Anteile der beiden anderen vereint. „Diese Rede von Aristophanes spiegelt unser Gefühl wider, ein drittes Geschlecht zu bilden“, sagt Eva.

Seit 1991 treten Eva & Adele bei Kunstereignissen rund um den Globus auf. „Es gibt kein Leben von Eva & Adele außerhalb von Eva & Adele“, sagt Marta-Direktor Roland Nachtigäller. „Sie haben die Grenzen des Geschlechts ebenso hinter sich gelassen wie die Unterscheidung zwischen Kunst und Alltag.“

Und es ist kaum verwunderlich, dass Eva & Adele die aktuelle Debatte über die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Befremden beobachten. Sie spielen mit dem traditionellen Rollenverständnis. „Dieser spielerische Umgang mit den Geschlechterrollen sollte von allen Menschen entdeckt werden“, sagt Eva.

Marta Herford, Goebenstraße 2-10, Bis 26. Mai, Di - So 11 bis 18 Uhr, Tel. 05221 / 95 44 30-0. www.marta-herford.de

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