Jan Costin Wagner stellte neues Buch vor

Leben mit dem Verlust

Jan Costin Wagner Foto: nh

Kassel. Neben einem Verbrechen und seiner Aufklärung geht es in Jan Costin Wagners Krimis stets darum, wie Menschen Wege finden, mit einem fundamentalen Verlust umzugehen. Im ersten Roman der Kimmo-Joentaa-Reihe, der 2003 erschien, stirbt die Ehefrau des jungen Helden an Krebs. Für die Seelenzustände des finnischen Kommissars versucht Wagner seitdem eine Sprache zu finden, was ihm meisterhaft gelingt.

In der Buchhandlung am Bebelplatz stellte der 41-Jährige, der bei Frankfurt und in Finnland, der Heimat seiner Frau, lebt, am Donnerstag vor 50 Gästen den fünften Teil der Reihe um Kimmo Joentaa vor.

„Tage des letzten Schnees“ ist ein Schlüsselroman. Themenkreise, die in den vorigen Teilen geöffnet wurden, schließen sich. Der schweigsame, melancholische Protagonist schöpft neue Kraft und hilft anderen, mit ihrem Trauma umzugehen. Wie ein Vater freut sich Wagner über diese positive Entwicklung seines Helden. Lange konnte er selbst sie noch nicht absehen.

Wagners Stil ist kühl, analytisch, rhythmisch und atmosphärisch. Mit wenigen Worten beschreibt er eindringlich die Orte von Trauer, Verlust und Verbrechen. Schwindelerregend drehen sich die Gedanken der Figuren, in deren Leben Verlust oder Verbrechen eingebrochen sind. Ein Vater verliert seine Tochter bei einem Autounfall. Er hört das Wort Notarzt, erinnert sich daran, dass dieser zuletzt zur Geburt der Tochter gerufen wurde. Was wäre gewesen, wenn sie an diesem Abend doch zu einer Freundin gefahren wäre?

Wagner ist ein starker Vorleser. Zwischen den Auszügen, die er vorträgt, spielt er eigene Kompositionen auf dem E-Piano, die an Filmmusik erinnern. Von seinem Leben mit Joentaa hat er sich eine Pause verordnet. Dann soll es mit Teil sechs weitergehen.

Jan Costin Wagner: Tage des letzten Schnees, Galiani, 316 S., 19,99 Euro.

Von Valerie Schmidt

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