Neu im Kino: Ben Stiller in der Komödie „Greenberg“ als zielloser Typ um die 40

Das Leben zieht weiter

Ach du Schreck, der Hund ist krank: Greenberg (Ben Stiller) muss mit der ungewohnten Situation klarkommen. Foto:  nh

Ich tue bewusst nichts“, erklärt Roger Greenberg (Ben Stiller) bei sämtlichen Partys und Begegnungen. Und erntet für so einen Satz durchaus die kalkulierte Bewunderung der Mitmenschen. Doch dann? Folgt nichts daraus. Die Gespräche verebben, die Menschen wenden sich ab. Ihr Leben hat sich anders entwickelt als das des Losers, es ist einfach weitergezogen. Doch der - und das ist vielleicht die noch viel größere Tragik - realisiert das gar nicht im wohligen Gefühl seiner Coolness.

Der Independent-Regisseur Noah Baumbach („Der Tintenfisch und der Wal“) zeichnet in seinem Film „Greenberg“ ein genau beobachtetes Porträt der Um-die-40-Jährigen, die immer noch der irrwitzigen Meinung sind, ihr Leben läge vor ihnen.

Greenberg kommt nach einem Nervenzusammenbruch und einem erfolglosen Versuch, sich in New York als Tischler zu etablieren (der auf einen erfolglosen Versuch folgte, sich als Musiker zu etablieren), nach Los Angeles. Er kann für ein paar Wochen die Villa seines Bruders hüten, muss sich mit dem überlaufenden Pool herumplagen und lernen, dass der Hund regelmäßig versorgt werden will.

Greenberg nimmt Kontakt zu den alten Freunden auf, vor allem zu Kumpel Ivan (Rhys Ifans) und seiner Ex-Freundin Beth (Jennifer Jason Leigh). Doch es hakt allerorten.

Baumbach arbeitet mit einer bewusst wenig strukturierten Filmform und demgegenüber desto präziser formulierten Dialogen, die ihm zurecht den Titel eines würdigen Woody-Allen-Nachfolgers eingebracht haben.

Ben Stiller passt kongenial in die Rolle des Versagers, der zwar durchaus geistreich und aufgeweckt ist, aber außer sich selbst nichts und niemand anderen wahrnimmt. Klasse, wie er sich bei einer Fete von Jüngeren cool anbiedert und nicht kapiert, dass er für die ein Gruftie ist. Feinsinnig zeigt Baumbach in seiner todkomischen Komödie mit ernstem Hintergrund auf, wie Greenberg immer wieder nur in Zitaten spricht, in Sätzen, die aus der glorios-verklärten Bandvergangenheit herrühren oder dereinst von seinen Therapeuten gesagt worden waren. Etwas Eigenes? Fehlanzeige.

Zur Musik von James Murphy (LCD Soundsystem) beobachtet der Film mit analytischer Distanz, wie sich zwischen Greenberg und Haushälterin Florence (Greta Gerwig) eine Art Beziehung entwickelt (mit den krass-peinlichsten Beischlaf-Szenen seit Langem). Wie die Frau, die zu viel für andere sorgt, und der Egoist aneinandergeraten und sich so etwas wie echte Nähe entwickelt.

Ivan hatte irgendwann festgestellt: „Die Jugend ist an die Jugend verschwendet.“ Doch am Ende des Films ist fraglich, ob noch gilt, was Greenberg darauf geantwortet hatte: „Ich würde weitergehen, ich würde sagen: Das Leben ist verschwendet an die Menschen.“

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

Ab heute bis 14.4. im Kasseler Bali-Kino, 16.15, 20.45 Uhr.

Von Bettina Fraschke

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