Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen macht in Vellmar Medikamente überflüssig

Die lebende Glückspille

Zwei der beliebtesten Deutschen: Dr. Eckart von Hirschhausen und Lena beim Auftritt des Kabarettisten in Vellmar. Foto: Malmus

Wer wissen will, wie beliebt Dr. Eckart von Hirschhausen ist, muss nur nach Nordhessen schauen. Im Kasseler HR-Studio moderierte der Mediziner und Kabarettist vor einigen Jahren regelmäßig den Ratgeber „service: gesundheit“. Nun trat der Berliner an zwei seit Monaten ausverkauften Abenden beim Vellmarer Festival Sommer im Park vor jeweils 900 Zuschauern auf. „Das sind mehr Leute, als ich damals Fernsehzuschauer hatte“, witzelte Hirschhausen über seinen Aufstieg in der Beliebtheitsskala. Der 42-Jährige ist kein Wunderheiler, aber wer zu ihm statt zum Arzt geht, kann auf einige Medikamente und Mittelchen verzichten.

Lachgas: Braucht man nun wirklich nicht in seinem neuen Programm „Liebesbeweise“. Hirschhausen macht zweieinhalb Stunden kurzweiliges Programm über die Medizin, die Liebe und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ein bisschen ist das wie „Barth mit Niveau“, wie Hirschhausen es selbst beschreibt. Frauen, erzählt er, wollten von den Männern täglich hören, dass sie geliebt werden. Der Mann indes denkt: „Das hab ich doch schon am Anfang unserer Beziehung gesagt. Wenn sich etwas ändert, werde ich dich informieren.“ Mit solchen Späßen füllt Mario Barth das Olympiastadion, aber Hirschhausen kann viel mehr als der Comedy-Rüpel: spontan sein, komplizierte Dinge einfach erklären - und Musik. Mit dem Jazz-Pianisten Christoph Reuter singt er Liebeslieder von Roland Kaiser und Peter Maffay sowie eigene Kompositionen.

Glückspillen: Nach einem Hirschhausen-Auftritt geht man nicht unbedingt glücklicher nachhause, aber man weiß, sein (Liebes-)Glück zu schätzen - egal wie es aussieht. Einmal fragt der Komiker, ob jemand im Publikum länger als 25 Jahre verheiratet sei. Da meldet sich eine Frau und ruft enthusiastisch, sie sei seit 25 Jahren glücklich geschieden.

Viagra: Hirschhausen kann über Sex lustige Witze machen, ohne dass es dreckig wird. Liebe und Rasieren etwa, erklärt er, seien durch elektrische Geräte nicht zu ersetzen. Bei der Liebe ohne Partner fehle die Überraschung, so dass man feststellt: „Es war schön, aber ich habe es kommen sehen.“ Solche nicht zu drastischen Doppeldeutigkeiten machen Hirschhausen zum Unterhalter für die ganze Familie. Ob jung oder alt: Die begeisterten Zuschauer in Vellmar lachen auch über Männer, die in der Apotheke Viagra verlangen und sagen, es sei nur für einen Freund. „Ist noch nicht mal gelogen“, sagt Hirschhausen.

Rotbäckchen: Eckart von Hirschhausen ist ein gestandener Mann, aber mit seinem Jungs-Gesicht und den roten Backen könnte er auch für den bei Kindern beliebten eisenhaltigen Fruchtsaft werben. Als Zuschauer errötet man bisweilen, weil man sich für Hirschhausen schämt, wenn er damit kokettiert, dass er wieder einen tollen Preis bekommen hat und demnächst weniger Tour-Termine absolviert. Mehr gehen ja nicht, seitdem der ARD-Mann im TV omnipräsenter ist als Jörg Pilawa und Thomas Gottschalk zusammen. Dabei hat er solche Streberhaftigkeiten gar nicht nötig. Eingefleischten Hirschhausen-Fans sei gesagt: Wenn Sie das jetzt ungerecht finden, können Sie dem Rezensenten ruhig eine auf den Kopf hauen - er hat noch Aspirin übrig.

Vellmarer Sommer im Park, heute, 20 Uhr: Wladimir Kaminer. Morgen, 20 Uhr: Bodo Wartke. Festplatz Brüder-Grimm-Straße. Tickets: 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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