Pee Wee Ellis mit seinem Quintett im Theaterstübchen

Lebendiges Denkmal im brodelnden Keller

Kraftvoll, gediegen, weise: Pee Wee Ellis im Theaterstübchen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ein Konzert von Pee Wee Ellis ist wie eine Wellness-Kur für Menschen, die ihr musikalisches Immunsystem stärken wollen. Der 1941 in Florida geborene Tenorsaxofonist lernte sein Handwerk unter anderem bei Sonny Rollins und wurde bekannt durch die Zusammenarbeit mit Fred Wesley und Maceo Parker, die als die legendären JB Horns im Soul und Funk Maßstäbe setzten. Seit einigen Jahren tourt Ellis in kleinen Besetzungen durch die Lande und verbreitet bei den Freunden tanzbarer Jazzmusik gute Laune.

Im Theaterstübchen von Veranstaltungs-Derwisch Markus Knierim präsentierten er und sein Quintett gediegene Virtuosität mit einem Schuss Avantgarde, bei der sich der gut besuchte Club in einen brodelnden Partykeller verwandelte.

Das Wechselspiel von hitzigem Bebop und lässigem Funk wurde nur selten von balladesker Ruhe gezähmt, und so dominierten die kraftvollen Vokabeln das Geschehen. Vor allem Pianist Peter Madsen und Trompeter Gary Winter übersprangen bei ihren Soli die Taktstriche wie entfesselt agierende Hürdenläufer, und die Radikalisierung der harmonischen Aussage entsprang ihrem Improvisationsradius.

Patrick Scales am E-Bass und Drummer Guido May interpretierten Klassiker wie „Caravan“ oder „Cantelope Island“ zeitgemäß und mit feinem Gespür für Klang und Synchronisation. Zuverlässig lieferten sie das rhythmische Fundament, auf dem sich das lebende Denkmal Pee Wee Ellis nuschelnd, grinsend und lachend als weiser Philanthrop sichtlich wohlfühlte. Melodien, Themen und Satzspiel schüttelte er aus der Westentasche, und seine solistischen Ausflüge bestachen durch farbige Emotionalität und Coolness.

Die Tempohalbierung beim Soulklassiker „I feel good“ war schon richtig frech, doch die Band hätte auch den Fliegermarsch spielen können, es hätte funktioniert. Rolf Dressler sorgte wie gewohnt für perfekten Bühnensound. Eine kleine Randgeschichte gab es auch: Markus Knierim hat sich extra einen alten Citroen DX angeschafft, um die Exklusivität beim Musikertransfer vom Bahnhof zum Hotel zu steigern. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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