Lebensfreude und Melancholie: Das David-Orlowsky-Trio in Kassel

Meister des Klezmer: Das David-Orlowsky-Trio mit (von links) Florian Dohrmann, David Orlowsky und Uwe Popp. Foto: Fischer

Kassel. Entspannt und dennoch hoch konzentriert schließt David Orlowsky die Augen, als Florian Dohrmann die ersten leisen Töne auf seinem Bass zupft.

Gitarrist Jens-Uwe Popp fügt sich mit sanft pulsierenden Akkorden in dieses Fundament, auf das der Klarinettist eine wunderbar gesangliche Melodie setzt. Klingt diese jüdische Weise nun fröhlich oder traurig, gefasst oder gebrochen, drückt sie Schwermut oder Optimismus aus?

Momente wie dieser am Beginn von Nellie Casmans „Joseph, Joseph“, mit dem das David-Orlowsky-Trio das Konzert des Evangelischen Forums anlässlich des Holocaust-Gedenktags am Dienstag eröffnete, waren genauso fabelhaft wie häufig. In der mit 250 Besuchern voll besetzten Lutherkirche zelebrierten die drei Musiker mit müheloser Leichtigkeit die Schönheit der Klezmer-Musik: ihre Weisheit, Lebensfreude und Melancholie.

Der 33-jährige Orlowsky erwies sich als Meister der Klezmer-Klarinette, in dessen makellosem Spiel kaum ein Ton dem anderen glich. Mehrfach verbanden er und seine kongenialen Mitmusiker Stücke zu heterogenen Einheiten. Besonders in der stillen Spannung vor dem lebhaften „Odessa Bulgar“, aber auch in Orlowskys wunderschön musikalisch erzähltem „Istanbul“ verlor sich niemals der Fokus auf den musikalischen Dialog. Das Publikum hielt den Atem an.

Doch der Klarinettist ließ sein Instrument auch glucksen, kieksen oder herzhaft lachen. Das galt besonders in den humorvoll-virtuosen, teils auch jazzig beeinflussten Stücken der Klarinettistenlegenden Naftule Brandwein und Dave Tarras, denen Schwerpunkte des Programms gewidmet waren.

Nach dem nachdenklichen „Ojfn Pripetschik“ drehte das Trio mit drei lebensfrohen Stücken Brandweins noch einmal auf. Standing Ovations brachten drei Zugaben.

Von Felix Werthschulte

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