Nina Hoger beim Kultursommer in Vöhl

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Sensible Rezitatorin: Schauspielerin Nina Hoger.

Vöhhl. Es war ein Abend der Gegensätze, den die aus Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin Nina Hoger und das Ensemble Noisten am Donnerstag in der Synagoge Vöhl am Edersee Leben und Werk der Dichterin Else Lasker-Schüler (1869 -1945) gewidmet hatten.

Ein Abend, dessen Gesamteindruck auch durch den Spielort, die liebevoll restaurierte Synagoge mit ihrer Fülle religiöser Symbolik, geprägt wurde. Große Gefühle, mitreißende Lebensfreude wechseln sich ab in den Gedichten der aus Elberfeld stammenden und in Palästina gestorbenen Lyrikerin mit tiefer Melancholie, ja Todessehnsucht.

Dieses Spiel mit extremen Empfindungen nahm das Ensemble Noisten auf und pointierte die intensiven sprachlichen Bilder der Dichterin mit meditativen, sanft klagenden oder stark rhythmisierten, schnellen Musikeinlagen.

Reinald Noisten (Klarinette), Claus Schmidt (Gitarre), Andreas Kneip (Kontrabass) und Shan-Dewaguruparan (Tabla und andere Schlaginstrumente) haben sich der jüdischen Klezmer-Musik verschrieben, bei der sie traditionell Überliefertes mit eigenen Kompositionen und Improvisationen erweitern und Elemente des Jazz, des Flamenco und der tamilischen Musik einbeziehen. Eine Mischung, die das Publikum begeisterte und immer wieder zu spontanem Applaus hinriss.

Literarischer Jugendstil

Zentrum und Rückgrat des zweistündigen Programms aber war die sensible und doch sehr präzise Rezitation, mit der Nina Hoger die eigenwilligen, an Expressionismus und literarischem Jugendstil geschulten Gedichte Else Lasker-Schülers interpretierte. Anhand des Lebenslaufs machte sie die künstlerischen und emotionalen Entwicklungslinien deutlich, die dieses Werk gerade auch im politischen Umfeld in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts charakterisieren.

Dreimal verheiratet (etwa mit Herwarth Walden, dem Herausgeber der Zeitschrift „Der Sturm“), war sie zudem mit großen Künstlern ihrer Zeit wie Gottfried Benn, Franz Marc und Georg Trakl eng befreundet. Nicht zuletzt aus diesen Begegnungen entstanden intensive Liebesgedichte, in denen Euphorie und tiefes Leid sich oft verbinden.

In märchenhaften Rollenspielen spiegelt sich die eigene Person, das Leiden an Ausgegrenztheit und Heimatlosgkeit. Die 1933 in die Schweiz emigrierte Dichterin besuchte mehrfach Palästina und starb dort 1945 im Exil. Lang anhaltender Beifall und zwei Zugaben.

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