Lechtenbrink bei Festspiel-Comeback in Bad Hersfeld gefeiert

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Volker Lechtenbrink als König Lear.

Bad Hersfeld. Auch mit 67 Jahren gibt es noch Herausforderungen für den Schauspieler Volker Lechtenbrink. Und er meistert sie mit Bravour. Zum Auftakt der 62. Bad Hersfelder Festspiele erlebte Lechtenbrink am Freitagabend ein eindrucksvolles Comeback in der Stiftsruine.

15 Jahre nach seinem Abgang im Streit als Intendant des Freilicht-Theaterfestivals begeisterte er als „König Lear“ in Shakespeares gleichnamiger Tragödie das Publikum. Lechtenbrink beginnt als eiteler, stolzer König in staatlichem Gewand und endet als gebrochener, zerzauster und wahnsinnig gewordener Greis in löchrigem Lumpen.

Als er sich nach mehr als zwei Stunden vor den rund 1500 Zuschauern verneigt, brandet ein langer, warmer Applaus auf - und Lechtenbrink, der eine enorme Energieleistung hingelegt hat, genießt es. Nach der Vorstellung sagte er der Nachrichtenagentur dpa: „Mehr als Standing Ovations vom gesamten Publikum ist ja nicht möglich. Das war schön. Dass es so aufgegangen ist, ist beglückend.“ Die Erwartungshaltung war groß, die Erleichterung ist es danach auch: „Wenn das nicht gelungen war, dann weiß ich nicht“, so der „König“.

Für Lechtenbrink, den Charakterkopf und Multi-Künstler mit der unverwechselbar rauen Stimme, ist es nicht irgendein Engagement. „Es ist mit die schwerste Rolle, die ich bisher gespielt habe. Und ich habe schon viele schwere Rollen gespielt“, betonte er. „Ich wollte „König Lear“ gut spielen, dass die Leute es spannend, berührend und auch komisch finden.“ Regie führt dabei zwar Intendant Holk Freytag, umgesetzt wird aber Lechtenbrinks Fassung. Der Schauspieler würdigt das Zusammenspiel.

„Es hat hervorragend geklappt. Wir konnten über alles reden“, bilanzierte Lechtenbrink. Auch für Intendant Freytag ist es nicht irgendeine Regiearbeit. Seine Maxime: „Wir wollen vermitteln, dass starke Inhalte und gute Unterhaltung kein Widerspruch sind.“ Was die Zuschauer zu sehen bekommen, ist ein Intriganten-Stadel aus dem mittelalterlichen Britannien. Der von Lechtenbrink gespielte König will seine Amtsgeschäfte sauber übergeben und das Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Daraus resultieren Kämpfe um Macht, Ländereien und Soldaten. Es herrschen Neid und Missgunst, und es kommt zu Streit, Mord und Totschlag. Die Kampfszenen sind von Bühnenmeister Klaus Figge choreographiert.

In dem Ensemble stechen neben Lechtenbrink weitere Akteure heraus. Unter anderen Anja Brünglinghaus als älteste Tochter des Königs. Bernd Kuschmann mit Klasse und Format als Graf von Gloucester und Julian Weigend als ausdrucksstarker Edgar, der mit viel Körpereinsatz spielt. Für die heiteren Momente sorgt der Narr, sympathisch und entwaffnend von Annika Martens präsentiert. Das Kostümbild wirkt authentisch, aber nicht zu verstaubt. Die Stiftsruine ist prädestiniert für Shakespeares Tragödie und gibt ihr den passenden Rahmen. In diesem spärlich dekorierten Gemäuer ist es Lechtenbrink, der den Zerfallsprozess von „König Lear“ mit beeindruckender Bühnenpräsenz darstellt. (dpa)

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